Archiv: 2014

Dostluk Sinemasi(Hg.): Von Mauerfall bis Nagelbombe

Von Mauerfall bis Nagelbombe – Der NSU-Anschlag auf die Kölner Keupstraße im Kontext der Pogrome und Anschläge der neunziger Jahre

Das auf türkisch und deutsch erscheinende Buch »Von Mauerfall bis Nagelbombe« analysiert die Kontinuität einer neuen Dimension rassistischer Gewalt, die mit der sogenannten Wiedervereinigung Deutschlands einsetzt. Ausgehend von der 2013 auf der Keupstraße durchgeführten gleichnamigen Film- und Veranstaltungsreihe werden darin die rassistischen Pogrome und Anschläge der frühen 90er Jahre in Bezug zum NSU und somit zum Kölner Nagelbombenanschlag gesetzt. Das Buch versammelt Berichte von der Erfahrung von Rassismus und dem gemeinsamen Kampf dagegen. Im Zentrum von »Von Mauerfall bis Nagelbombe« finden sich Interviews mit Betroffenen des Nagelbombenanschlags auf der Keupstraße. Diese offenbaren ein migrantisch situiertes Wissen, das den rassistischen Hintergrund des Anschlags von Anbeginn benannte.

Herausgegeben von der Gruppe Dostluk Sineması,

Amadeu Antonio Stiftung           127 Seiten         10,00 €

 

Türkische Sprachversion:
Duvarın Yıkılışından Çivili Bombaya
1990′lı Yılların Irkçı Pogromları ve Saldırıları Bağlamında NSU’nun Köln Keupstrasse Saldırısı
120 Seiten                    10 Euro

 

Dave Hann/Steve Tilzey: Antifa in England Bd. 1 und 2

 

Der Grund, warum wir die Faschisten immer und immer wieder geschlagen haben, und der Grund, warum wir nicht davon rannten, wenn wir einmal in der Unterzahl waren, war nicht, weil wir härter oder brutaler waren als sie, sondern weil wir an die Vernunft unseres Kampfes glaubten. Es war diese Überzeugung, die uns unseren Standpunkt verteidigen liess, auch wenn wir schon wie die sicheren Verlierer ausschauten. Wir stellten uns selbst an die scharfe Spitze der anti-faschistischen Aktivitäten weil wir daran glaubten, was wir taten, und nicht wegen dem Kick oder dem Adrenalin-Rausch. Wenn wir darauf aus gewesen wären, wären wir einfache Fussball-Holligans geworden. Nein, es gab Gründe für all diese draufgängerischen Heldentaten. Und diese Gründe lagen darin, dass wir den Faschisten in Grossbritannien nicht diesen Einfluss zugestehen wollten, den sie in Ländern wie Österreich, Frankreich oder Deutschland geniessen.       (Dave Hann)

Die Geschichte zeigt uns, was passiert, wenn du den Faschismus ignorierst. Es gibt kein magisches Verschwinden, er wächst unbemerkt wie ein bösartiger Tumor, eitert und wuchert unter dem menschlichen Abfall, losgelassen und ignoriert von der Gesellschaft. Ignoranz gegenüber dem Faschismus, so wie die Ignoranz einer letzten Mahnung, lässt beide nicht verschwinden. Es endet nur mit einer höheren Preis, den du am Ende bezahlen musst. Die Geschichte zeigt uns jedoch auch, dass der Faschismus besiegt wird, wenn er gewalttätig bekämpft wird. Wir haben uns Inspiration geholt von jenen die gegen den Faschismus im Londonder East End 1936 im Battle of Cable Street kämpften, von denen, die sich in Squads organisierten und den faschistischen Banden in den 1940ern, 50ern und 60ern zu Leibe rückten und von zahllosen anderen, die erkannt haben, dass die beste Antwort auf die faschistische Aggression manchmal darin besteht, den Schraubenschlüssel über einen Schädel zu ziehen.

In Manchester wurde diese Theorie übernommen und ausgetestet durch Anti-Faschisten. Wir haben uns organisiert und uns das Ziel gesetzt die Bewegung die Hitler inspiriert hat, mit äußerster Entschlossenheit zu zerschlagen. (Steve Tilzey)

 

 

 

Förster (Hg.): Geheimsache NSU

Hauptansatz des Buches, das Andreas Förster herausgegeben hat und von  Beobachtern der Szene geschrieben wurde, darunter der Politikwissenschaftler Hajo Funke ist, auf die Lücken und auf die Ermittlungsansätze, die nicht verfolgt wurden, hinzuweisen.

Dahinter steht immer wieder die Frage: War die Terrorgruppe nicht doch größer? Vielleicht nicht als feste Gruppe, aber an einigen Taten könnten mehr Leute beteiligt gewesen sein. Als ein weiterer roter Faden zieht sich die Frage nach dem Verhältnis der Verfassungsschützer zur rechten Szene durch das Buch.

Und über allem schwebt die Frage: Warum tun sich die Behörden immer noch so schwer mit der Aufklärung, warum wird vertuscht und geblockt?

 

Verlag Klöpfer u.  Meyer      315 Seiten       22,00 €

Heimatschutz – der Staat und Mordserie des NSU

Am 6. Mai 2013 begann vor dem Oberlandesgericht München der Prozess gegen Beate Zschäpe und weitere Angeklagte, die mit der Mordserie des »Nationalsozialistischen Untergrunds« (NSU) in Verbindung gebracht werden. Diese Mordserie endete mit dem mutmaßlichen Selbstmord von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in ihrem Wohnmobil in Eisenach im November 2011. Seit der Festnahme Zschäpes und einer beispiellosen Serie von Aktenvernichtungen und V-Mann-Enttarnungen rätseln die ermittelnden Behörden und die deutsche Öffentlichkeit, was genau sich in all den Jahren zwischen 1994 und 2011 in der rechten Szene zugetragen hat. Wo der Prozess bislang wenig ans Licht bringt, haben Stefan Aust und Dirk Laabs umso gründlicher recherchiert und enthüllen in einer genauen Chronik der Ereignisse die fast unglaubliche Geschichte des Rechtsterrorismus in Deutschland.

 

Pantheon Verlag      864 Seiten   € 22,99

17.Juni Diskussion und Vortrag: Von der griechischen zur europäischen Morgenröte?

Von der griechischen zur europäischen Morgenröte? Chrysi Avgi als Schrittmacher der extremen Rechten Europas

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Hitlergrüße, Pogrome, paramilitärische Stoßtruppen – die Bilder vom Aufstieg der Goldenen Morgenröte (Chrysi Avgi) in Griechenland sprechen eine deutliche Sprache: „Neonazis auf dem Vormarsch“. Die breite Unterstützung durch nationalistische, konservative Kreise sowie von Seiten zentraler staatlicher Akteure (Polizei, Kirche, Militär) verlangt allerdings eine differenziertere Analyse, die neben der Heterogenität der Partei auch Strategie- und Wandlungsprozesse mit einbeziehen muss, um dem Wirken effizient entgegenzuwirken.

Als drittstärkste nationale Kraft konnte sich Chrysi Avgi im politischen Mainstream etablieren und rassistisches, antisemitisches und homophobes Gedankengut in gesellschaftliche Diskurse einbringen. So verschob sich nicht nur das Parteienspektrum (noch) weiter nach rechts, sondern es veralltäglichte sich auch rassistischer Gewalt und Ausgrenzung auf verschiedenen Ebenen.

Kein Wunder also, wenn sich Teile der extremen Rechten Europas nach „griechischen Zuständen“ sehnen und sich von den Entwicklungen inspirieren lassen. Dabei verbreitet sich der Mäander – das hakenkreuzähnliche Emblem der Chrysi Avgi – über die Webseiten, Transparente und auf der Kleidung von Sympathisant*innen als transnationales Symbol der Zusammen-gehörigkeit und gibt der Partei eine hegemoniale Stellung in aktuellen Debatten innerhalb der extremen Rechten. Ihr integrativer Charakter ermöglicht es, Gräben zwischen neonazistischer Subkultur und institutionalisierten Gruppen zu überwinden und die Idee eines „Europa der Nationen“ auf rassistischer Grundlage voranzutreiben.

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Der Vortrag soll Entwicklungspfade der Chrysi Avgi von einer neonazistischen Miliz bis zu den jüngsten Verhaftungen der Parteispitze nachzeichnen und Einblicke in die transnationalen Dynamiken des Aufstiegs geben sowie zu einer Diskussion über neue Blickweisen auf die extreme Rechte in Europa anregen.

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Eintritt frei!

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Dienstag, 17.Juni 2014
20:00 Uhr
Im Versammlungsraum
Mehringhof
Gneisenaustraße 2a ● 10961 Berlin

U Mehringdamm

Veranstaltung: Plätze sichern! ReOrganisierung der Linken in der Krise

Seit 2011 hat in Europa und den USA mit den „Empörten“ und „Occupy Wall Street“ ein neuer Bewegungszyklus eingesetzt. Unbeindruckt davon setzen die Regierungen ihre Politik des neoliberalen Autoritarismus fort. Doch die Bewegungen haben daraus Lehren gezogen: unter anderem in den USA, Spanien oder Griechenland sind Prozesse der Re-Organisierung zu beobachten, die die gesamte gesellschaftliche Linke erfassen. Wie sehen diese Prozesse aus und welche Herausforderungen bestehen für eine Linke hierzulande?
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Ein Abend mit Mario Candeias und Eva Völpel, Autor_innen des Buches „Plätze sichern! ReOrganisierung der Linken in der Krise. Zur Lernfähigkeit des Mosaiks in den USA, Spanien und Griechenland“,
VSA-Verlag 2014.

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Mittwoch, den 11.6.2014 um 20:00 Uhr
Versammlungsraum des Mehringhofs (Aufgang III)
Gneisenaustr. 2a, 10961 Berlin
Mehringhof/U-Station Mehringdamm
Eintritt frei!