Rezensionen

Neu im Februar

Hengameh Yaghoobifarah
Ministerium der Träume

Blumenbar
S.384 22,00 Euro

Als die Polizei vor ihrer Tür steht, bricht für Nas eine Welt zusammen: ihre Schwester Nushin ist tot. Autounfall, sagen die Beamten. Suizid, ist Nas überzeugt. Gemeinsam haben sie alles überstanden: die Migration nach Deutschland, den Verlust ihres Vaters, die emotionale Abwesenheit ihrer Mutter, Nushins ungeplante Mutterschaft. Obwohl ein Kind nicht in ihr Leben passt, nimmt Nas ihre Nichte auf. Selbst als sie entdeckt, dass Nushin Geheimnisse hatte, schluckt Nas den Verrat herunter, gibt alles dafür, die Geschichte ihrer Schwester zu rekonstruieren – und erkennt, dass Nushin sie niemals im Stich gelassen hätte.

 

Bernardine Evaristo
Mädchen, Frau etc.

Tropen
S.507 25,00 Euro

Die Dramatikerin Amma steht kurz vor dem Durchbruch. In ihrer ersten Inszenierung am Londoner National Theatre setzt sie sich mit ihrer Identität als schwarze, lesbische Frau auseinander. Ihre gute Freundin Shirley hingegen ist nach jahrzehntelanger Arbeit an unterfinanzierten Londoner Schulen ausgebrannt. Carole hat Shirley, ihrer ehemaligen Lehrerin, viel zu verdanken, sie arbeitet inzwischen als erfolgreiche Investmentbankerin. Caroles Mutter Bummi will ebenfalls auf eigenen Füßen stehen und gründet eine Reinigungsfirma. Sie ist in Nigeria in armen Verhältnissen aufgewachsen und hat ihrer Tochter Carole aus guten Gründen einen englischen Vornamen gegeben.

 

Mithu M. Sanyal
Identitti

Hanser
S.424 22,00 Euro

Die Autorin selbst über das Buch:
Saraswati ist Professorin für Postcolonial Studies und (Medien)Star der Debatten um Rassismus und Identität(en) in Deutschland. Doch dann kommt heraus, dass Saras­wati in Wirklichkeit weiß ist, und während draußen der Shitsturm tobt, geht ihre Studentin Nivedita zu Saraswati, um von ihr Antworten zu bekommen. Außerdem geht es noch um Sex.

 

 

 

Brenssell, Hartmann, Schmitz-Weicht
Kontextualisierte Traumaarbeit

S.84 9,00 Euro

Wo beginnt eine Traumatisierung und wann hört sie auf? Wie lassen sich traumatische Erfahrungen verarbeiten? Mitarbeiterinnen von Frauenberatungsstellen und Frauennotrufen stellen sich diese Fragen seit mehreren Jahrzehnten. Sie begleiten Frauen und Mädchen, die geschlechtsspezifische Gewalt erlebt, erfahren, überlebt haben. Sie lassen medizinische und psychologische Traumadebatten und gesellschaftliche Diskurse zu Gewalt in ihre Arbeit einfließen. Sie sind täglich mit dem Erfolg und den Grenzen ihrer Arbeit konfrontiert. Das dabei entstandene Praxiswissen wurde nun im Rahmen einer partizipativen Forschungsarbeit systematisiert und im Konzept der kontextualisierten Traumaarbeit begrifflich gefasst.

 

Sandra Strauß und Schwarwel (Hrsg.)
„Nicht gesellschaftsfähig Alltag mit psychischen Belastungen“

Glücklicher Montag
S.590 29,90 Euro

In „Nicht gesellschaftsfähig – Alltag mit psychischen Belastungen“ widmen sich mehr als hundert Autor:innen, Interview-Partner:innen, Comiczeichner:innen und Cartoonist:innen auf 612 Seiten in 23 Kapiteln dem Thema psychische Belastungen.
Es ist ein Buch im Almanach-Magazin-Style, das mit vielen Stimmen spricht und psychische Belastungen sowohl stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken und zur Enttabuisierung sowie Entstigmatisierung beitragen möchte als auch für Betroffene, Freund:innen, Familie, Angehörige, Bekannte, Verwandte und Arbeitgeber*innen eine Hilfestellung bietet.
Zu Wort kommen viele unterschiedliche Menschen, Betroffene, Psycholog:innen, Psychotherapeut:innen, Vereine/Verbände/Stiftungen, Journalist:innen, Fachleute, Angehörige sowie Künstler:innen, Musiker:innen, Illustrator:innen, Cartoonisten und Comiczeichner:innen.

aktuelle Lesetipps für kalte Zeiten

Hartmann | Wimmer

Die Kommunen vor der Kommune 1870/71

Lyon – Le Creusot – Marseille – Paris

Bereits vor der Pariser Kommune 1871 entwickelten sich in Städten wie Lyon, Marseille oder Le Creusot aufständische Bewegungen. So entfesselten die Arbeiter*innen bei der metallurgischen Fabrik Schneider in Le Creusot einen gewaltigen Streik und riefen eine »industrielle Kommune« aus. Ein Sprecher der Bewegung war der junge Einrichter Adolphe Assi, der seine Erfahrungen später in die Pariser Kommune einbringen sollte. Auch in etlichen anderen Orten kam es zu Erhebungen und wurden »Kommunen« ausgerufen. Mit deren Beginn, so die Historikerin Jeanne Gaillard, hatte die Provinz schon eine oder sogar zwei revolutionäre Phasen erlebt. Dennoch sind sie lange Zeit fast völlig vernachlässigt worden. Das Interesse der linken wie bürgerlichen Geschichtsschreibung galt vorrangig der Pariser Kommune.

Die Autoren legen diese sozialrevolutionären Spuren frei. Mit dem Terminus Kommune meinen sie nicht die Regierungsform in Paris, sondern verstehen darunter Prozesse der Selbstorganisation, die sich schon in den sozialen Kämpfen der 1860er-Jahre in Frankreich finden lassen.

Diesen emanzipatorischen Praktiken gilt das Interesse des Buches. Es spürt ihnen in den Kämpfen in der französischen Provinz ebenso nach wie in Aufständen in den Kolonien und in den Kämpfen migrantischer Arbeiter*innen. Das Buch weitet den Blick von unten und zeichnet ein tieferes und genaueres Bild der Klassenkämpfe des 19. Jahrhunderts. Richtig verstanden, ist deren Orientierung an der »Kommune« auch für heutige Auseinandersetzungen noch von großer Bedeutung.

Assoziation A                              144 Seiten                                                                          14,00 €

 

 

 

Herausgeber_innenkollektiv                                                                                                                                                                         

Wir wissen, was wir wollen

Frauenrevolution in Nord-und Ostsyrien.

Widerstand und gelebte Utopien Band II

 

In Nord- und Ostsyrien findet eine Revolution der Frauen statt.
Doch was heißt das eigentlich?

In Nord- und Ostsyrien wird seit 2011 ein basisdemokratisches Projekt aufgebaut, welches sich ideologisch auf die kurdische Freiheitsbewegung bezieht. Leitidee dieser ist das Konzept des Demokratischen Konföderalismus, welcher auf Geschlechtergleichheit, Basisdemokratie und Ökologie fußt. Der gesellschaftliche Transformationsprozess wird auch als Frauenrevolution bezeichnet. Doch was macht diese aus?
Das Herausgeber_innenkollektiv führte Interviews mit Frauen, die diese Frage aus ihrer Perspektive beantworten und die Umsetzung der Frauenrevolution in die Praxis beschreiben. Zentral in ihren Erzählungen ist der gelebte Widerstand, nicht nur gegen militärische Angriffe auf die Region, sondern auch gegen patriarchale Strukturen in der Gesellschaft. Sie berichten von der Organisation in Räten, dem Aufbau einer alternativen Ökonomie und warum es dafür autonome, feministische Organisierung braucht. Neben einer historischen Einordnung der kurdischen Frauenbewegung und ihren ideologischen Bezugspunkten zeigt das Buch die Bedeutung feministischer Organisierung für eine globale Perspektive auf gesellschaftlichen Wandel.

Die Herausgeber_innen
Das Herausgeber_innenkollektiv reiste als feministische Delegation der Kampagne „Gemeinsam Kämpfen“ im Winter 2018/19 von Deutschland aus in die nord- und ostsyrischen Gebiete, um besser zu verstehen, was eine Frauenrevolution bedeuten kann.

 

edition assemblage                           560 Seiten                                                        15,00 €

 

 

 

 

Weihnachtsempfehlungen 2020 sind jetzt fertig!

Das ist der link:

risse_weihnacht_rgb_2020_web 

 

SLINGSHOT Calendars sind angekommen!

lockdown: endlich Zeit zum Lesen!!

      

 

 

Angela Davis – Seize The Time

In 1969, Angela Davis, a twenty-six-year-old black activist, was fired from her teaching position at UCLA, accused of involvement in a shootout that resulted in the deaths of four men, put on the FBI’s Most Wanted List, and spent several months as a fugitive. In October, she was arrested in New York and returned to California to stand trial. Her image became the focus and the tool of an unprecedented international effort to free an incarcerated black woman. Her trial and acquittal, in 1972, made her a lightning rod for fears and hopes on the right and left about revolutionary change and she has remained an active agent of change in the years since.

This exhibition focuses on Davis and her image. It provides a compelling and layered narrative of Davis’s journey through the junctures of race, gender, and economic and political policy. The exhibition is inspired by an archive in Oakland, California, collected and curated by Lisbet Tellefsen. This archive of materials includes materials produced by an international community that assembled to protect Davis in a campaign to “Free Angela and All Political Prisoners.” It also contains magazines, press photography, court sketches, videos, music, writings, and correspondence. Materials also document her activist work in defense of the Soledad Brothers, her teaching, and her philosophical and activist writings on issues related to freedom, oppression, feminisms, and prison abolition.

 

Hirmer Verlag                                                   192 Seiten                                                     39,90 €