Rezensionen

Squatting Everywhere Kollective (SqeK) : Fighting for spaces, Fighting for our lives: Squatting Movements today

Dieses Buch (in engl. Sprache) bietet kurze Einblicke in eine vielfältige und facettenreiche Bewegung mit Berichten von lokalen Kämpfen, Erfahrungen mit (staatlicher) Repression und Geschichten eines kollektiven Lebens, erwachsen aus den besetzten Orten verschiedener Städte und Länder weltweit , inklusive Australien und den USA.

The collected essays, first-hand accounts and photographs in this book do not offer an over-arching narrative of where the squatters movement is heading. Instead the book provides glimpses into a diverse and multi-faceted movement, with accounts from local struggles, experiences of repression and stories of the collective forms of life which grow out of squatted spaces in various cities and countries throughout the world, including accounts from Rio de Janeiro, Istanbul, Seattle and Australia.

Herausgeber*innen:
Sqek (squatting europe kollective) ist ein Netzwerk bestehend aus radikalen Aktivist*innen und Forscher*innen, die in verschiedenen sozialen und politischen Bewegungen in der ganzen Welt aktiv sind.
Weitere Information finden sich auf http://sqek.squat.net

 

 

edition assemblage                  356 Seiten                     14.00 EUR

Anne Reiche: Auf der Spur

Inhalt
Auf der Spur steht für den roten Faden in Anne Reiches Leben – ihre Suche nach einer politischen Praxis, die reale Veränderungen erkämpft und die gleichzeitig auch ganz für sie selbst stimmt. Das war die  Hafenstraße für sie, nach einem holprigen Weg und harten Erfahrungen, die sie aber nie dazu gebracht haben, sich damit abzufinden, dass es nicht weitergeht.
Sie war neunzehn als sie 1965 nach Westberlin zog. Dort wurde sie aktiver Teil der Protestbewegung und der ersten militanten Zusammenhänge. Dreimal verhaftet, schließlich verurteilt wegen versuchter Gefangenenbefreiung, Bankraub und Zugehörigkeit zur Bewegung 2. Juni. Insgesamt wurden es zehn Jahre Knast, wo sie zusammen mit den Gefangenen aus der RAF kämpfte und an den kollektiven Hungerstreiks teilnahm.
Nach ihrer Entlassung 1982 ging Anne Reiche nach Hamburg, wo sie den Kampf um die Hafenstraße mitprägte. Mit der Organisation des VIVA St Pauli Konzerts und der Entwicklung des Konzepts der Sozialen Straße hat sie wesentlich zum Erhalt der Häuser beigetragen. Anne Reiche schreibt direkt und „gerade heraus“, ihre Erinnerungen an bestimmte Menschen, bestimmte Situationen sind oft so lebendig, dass
man beim Lesen das Gefühl hat, fast in Echtzeit dabei zu sein.

Zur Autorin
1946 in Esslingen geboren. Ab 1965 in Westberlin Studentenbewegung, Frauenkommune, Bewegung 2. Juni. Zehn Jahre Knast. Ab 1982 in Hamburg. Ab 1984 Hafenstraße.

 

edition cimarron                         274 Seiten                           15,00 Euro

Sebastian Lotzer: Winter is coming – Soziale Kämpfe in Frankreich

Zum Buch „Winter Is Coming“ von Sebastian Lotzer

Längst sind jenen Tagen und Nächte, als Ben Ali aus dem Land gejagt und Mubarak gestürzt wurde, als in Griechenland eine massenhafte Revolte gegen das Spardiktat der Troika in tagelangen Straßenschlachten vor dem Parlament kulminierte, als die „Bewegung der Plätze“ sich im Süden des europäischen Kontinents ebenso wie in den USA fand und versammelte, nicht mehr als eine ferne Erinnerung. Ein kurzes geschichtliches Aufblitzen, ein ferner Nebel in der Galaxie der Klassenkämpfe.

Durch Europa weht jetzt der kalte Wind des Rechtspopulismus, in dessen Windschatten Faschisten und Nationalsozialisten offen auftreten und wie der Fisch im Wasser mit schwimmen können. Ungehindert betritt der Hass auf alles und alle, die nicht als zugehörig betrachtet werden, die offene gesellschaftliche Bühne. Selbst in den lange als „liberal“ gehandelten Gesellschaften Skandinaviens finden sich immer mehr in der Figur des sozial autistischen Zombies wieder.

Winter is coming. Die Dimension dessen anzuerkennen, was auf uns zukommt, ist unabdingbare Voraussetzung dafür, vorbereitet zu sein. In der Lage zu sein, Gegenstrategien zu entwickeln, dem Gegner punktuell Niederlagen zufügen zu können. Gesellschaftliche Kerne zu bilden, die auch in schwierigen Zeiten das Überwintern garantieren, die sich ernsthaft mit den Bedingungen für erfolgreiche Gegenoffensiven auseinandersetzen.

Als im Frühjahr 2016 in Frankreich die herrschende Klasse beschloss die Arbeitsgesetzgebung nach deutschem Vorbild zu „flexibilisieren“, betrat ein neue Bewegung die Arena. Neue, unverbrauchte Parolen erklangen, zuerst waren es nur einige hundert Leute, die den Zusammenstoß mit der Staatsmacht suchten, am Rande der Demonstrationen Schaufensterscheiben einschmissen, Bankautomaten und Überwachungskameras zerstörten. Aber innerhalb weniger Wochen hatten sich an der Spitze der Pariser Demos Tausende eingefunden, die mit Tränengasbrillen und Maaloxan ausgerüstet waren, im ganzen Land wurden Schulen und Universitäten besetzt, bestreikt und blockiert, in zahlreichen Städten kam es zu Zusammenstößen mit den Bullen. Nach mehreren Fällen von rassistischer Polizeigewalt kam es in den Pariser Vororten zu Demos und Unruhen, die sich ansatzweise auch auf andere Städte ausweiteten.

Einige in dieser Zeit entstandenen Pamphlete, Texte, sowie Interviews mit Protagonist*innen der Kämpfe fasst der Band „Winter Is Coming“ zusammen. Das Buch erschien im März 2018 beim Wiener Verlag Bahoe Books.

„Stadt der Rebellion“ von Omar Robert Hamilton

Kairo, 2011. Alles scheint möglich. Die ganze Welt schaut hin, als die ägyptischen Aufständischen nicht müde werden, lautstark gegen die Diktatur zu protestieren, trotz aller Gewalt von Polizei und Militär. Mittendrin: Mariam und Khalid. Sie lernen sich im Getümmel einer Demonstration kennen, und fortan wird sie die Angst, dass dem anderen etwas zustoßen könnte, nicht mehr verlassen. Mutig kämpfen die beiden gemeinsam in einer Aktivistengruppe und versenden rund um die Uhr Nachrichten in alle Welt. Und nicht zuletzt kämpfen sie um ihre Liebe, für die keine Zeit bleibt in dem unaufhörlichen Strom von Aufgaben, die die Revolution ihnen aufbürdet, getrieben vom Gefühl der Verantwortung gegenüber ihren ermordeten oder inhaftierten Mitstreitern. Erbittert diskutieren sie darüber, welche Kompromisse sie eingehen müssen, zerrieben zwischen Hoffen und Verzweifeln. Dieser aufwühlende Roman zeigt die ägyptische Rebellion aus unmittelbarer Nähe, rasant folgt er den Revolutionären durch Kairos Straßen und über Twitter. Und auch wenn die Lage immer aussichtsloser erscheinen mag: Sie werden nicht aufgeben.

Omar Robert Hamilton ist  Mitbegründer eines Aktivisten- und Medienkollektivs in Kairo und des Palestine Festival of Literature.

 

Wagenbach                                     320 S.                       24,00 €

Neuerscheinung: „Antifeminismus in Bewegung“


Juliane Lang, UlrichPeters(Hg.):

Aktuelle Debatten um Geschlecht und sexuelle Vielfalt

Maskulist/innen, neurechte Populist/innen, christliche Fundamentalist/innen und organisierte Neonazis vertraten immer schon geschlechter- und familienfundamentalistische Positionen und nehmen aktuell stärker denn je aufeinander Bezug.
Mit Erfolg: In Debatten um Geschlechter- und Gleichstellungspolitik finden sich zunehmend feindbildgesonnene, antifeministische Narrative davon, was „der Feminismus“ oder an geschlechtlicher Vielfalt orientierte Gleichstellungspolitik denn sei.

Der hier vorliegende Sammelband setzt sich mit dieser Entwicklung kritisch auseinander. Antifeminismus ist kein einheitliches politisches Projekt:
viel mehr wird er von seinen Akteur/innen zu diesem gemacht. Die im Band versammelten Beiträge geben einen systematischen Einblick in die unterschiedlichen Strömungen und die sie tragenden Organisationen. In Anbetracht der Fülle antifeministischer Akteur/innen, Positionen und Aktionen, werden zentrale Themenfelder und Strategien benannt und kontextualisiert sowie Diskurse und Öffentlichkeitsfelder– in denen diese wirken – beleuchtet.
Ziel ist es, die Tragweite des organisierten Antifeminismus zu illustrieren und einen Beitrag in der Diskussion um Gegenstrategien zu liefern.

 

 

Marta Press                             336 Seiten                           20,00 €

Isabella Greif / Fiona Schmidt: Staatsanwaltschaftlicher Umgang mit rechter und rassistischer Gewalt

 Eine Untersuchung struktureller Defizite und Kontinuitäten am Beispiel der Ermittlungen zum NSU-Komplex und zum Oktoberfest-Attentat.

Nach Abschluss des NSU-Verfahrens wird es wohl mehr Fragen als Antworten zum NSU-Komplex geben. Im Prozess sind das Netzwerk des NSU, die Rolle von staatlichen Behörden und die Auswirkungen der Taten sowie der rassistisch geführten Ermittlungen für die Geschädigten und Angehörigen der Ermordeten kaum Gegenstand. Dass dem so ist, liegt zu großen Teilen in der Verantwortung der Bundesanwaltschaft. Als oberste Strafverfolgungsbehörde hat sie im NSU-Prozess eine äußerst wichtige Rolle inne. Mit der Anklage gibt die Bundesanwaltschaft die Themen des Prozesses vor und definiert gleichzeitig, was gerade nicht Sache des Prozesses ist. Sie hat sich darin bereits frühzeitig auf die These eines »isolierten Trios« festgelegt, von dem nur wenige Unterstützer*innen wussten. Die Rolle und das Wissen staatlicher Sicherheitsbehörden, wie beispielsweise dem Verfassungsschutz und seiner V-Personen, wird so explizit der strafrechtlichen Aufklärung entzogen. Es besteht ein zentraler Konflikt zwischen den Erwartungen der Nebenkläger*innen an die Aufklärung des NSU-Komplexes im Prozess und einem staatlichen Selbstschutz. Die Arbeitsweise der Bundesanwaltschaft und ihre rechtliche Stellung in Bezug zu anderen Institutionen der Strafverfolgung sind dafür ausschlaggebend. Dem wird in dem Buch mit Blick auf Kontinuitäten in der Strafverfolgung rechter und rassistischer Gewalt nachgegangen.

 

 

Welttrendsverlag                    303 S.                                 19,90 €