Rezensionen

Kitchen Politics: Sie nennnen es Leben, wir nennen es Arbeit

Den feministischen Autorinnen Melinda Cooper und Catherine Waldby geht es darum, die neuen postfordistischen Produktionsweisen der Bio-Techbranche, die mit einer Inwertsetzung von Körpern einhergehen, als Arbeit sichtbar und umkämpfbar zu machen.

Ebenso wie unbezahlte Haus-und Sorgearbeit lange als außer-ökonomisch oder „natürlich“ angesehen wurde, gilt dies heute für die Verfügbarkeit von lebendigen Körperstoffen und -prozessen in Reproduktions- und Biotechnologien im Zusammenhang mit der sogenannten Eizell-„Spende“ oder „Leihmutterschaft“.
Der 3. Band der Reihe kitchen politics fokussiert die Sphäre der Reproduktionsmedizin und Biotechnologie als Bestandteil von Wertschöpfungsprozessen und diskutiert diese im Zusammenhang mit dem Konzept der Reproduktionsarbeit.

Die Übersetzung eines grundlegenden Textes von Cooper/Waldby ermöglicht eine sachkundige Einführung in die verschiedenen Technologien und deren Problematik. In einem neuen Text setzt sich Cooper kritisch mit dem Arbeitsbegriff bei Marx auseinander und hinterfragt die stillschweigende Voraussetzung des männlichen Familienernährers im bürgerlichen Recht. Ergänzend diskutieren Felicita Reuschling und Susanne Schultz – unter anderem in einem Interview mit Cooper – die politischen Konsequenzen und Grenzen einer auf den Arbeitsbegriff fokussierten Diskussion.

 

edition assemblage                                  152 Seiten                                  9,80 €

Murray Bookchin: Die Nächste Revolution

Mehr als 40 Jahre lang entwickelte Murray Bookchin seine Ideen über Kommunalismus, libertäre Ökologie und direkte Demokratie und brachte sie in die Politik der Neuen Linken ein.

Seine Schriften beeinflussten zahlreiche politische DenkerInnen und Soziale Bewegungen – von der radikalen Ökologiebewegung bis zur Antiglobalisierungsbewegung. Nicht zuletzt bezieht sich aktuell die kurdische Befreiungsbewegung in der Türkei und in Syrien auf die Weiterentwicklung von Bookchins Idee des Libertären Kommunalismus zur Praxis des Demokratischen Konföderalismus.

Mit einem Vorwort der Bestsellerautorin Ursula K. Le Guin eingeleitet, versammelt Die nächste Revolution erstmals Bookchins Essays über Freiheit und direkte Demokratie, um eine gewichtige politische Vision zu entwickeln, die vom Protest zur praktischen Transformation des Kapitalismus führen kann.

»[…] weltweit finden Diskussionen um die Frage statt, ob demokratischer Konföderalismus auch eine Alternative für die kapitalistischen Metropolen sein kann, oder ob es eine Bewegung ist, die im antikolonialen Kontext wirk­mächtig ist, in Industrienationen jedoch nicht. […] Im Rahmen sich immer weiter zuspitzender Verhältnisse ist die Lektüre von Bookchin mehr als aktuell und angebracht.«                                                                        

Michael Knapp, Kurdistan Report 181, Sep/Okt 2015

unrast verlag                                       224 Seiten                             16,00 €

„Fayvel der Chinese“

Philippe Smolarski

Fayvel Der Chinese

Aufzeichnungen eines wahnwitzigen Ganoven

 

Wie abgebrüht und wahnwitzig muss dieser Fayvel sein, um im Jahr 1941 als Jude freiwillig aus dem sicheren Exil in China zurück in die alte und nun von den Nationalsozialisten besetzte Heimat Warschau zu reisen? Einhunderttausend Dollar in bar, argentinische Pässe und ein Leibwächter,
der in seinen jungen Jahren sogar Max Schmeling im Boxkampf besiegte, sind für dieses Unterfangen genauso hilfreich wie Fayvels langjährige Erfahrungen im Drogen- und Waffenhandel.
Hinzukommen eine gehörige Portion Gerissenheit, beste Beziehungen in die jüdische Unterwelt und der unbedingte Wille, die eigene Familie aus dem Warschauer Ghetto und damit vor dem sicheren
Tod zu retten – über all dies verfügt unser Ganove

„Fayvel der Chinese“ ist ein Spionageroman, eine
Fluchtgeschichte, die so rasant erzählt wird, dass der Leser das Gefühl hat, ein Drehbuch Tarantinos in den Händen zu halten. Das Extraordinäre an dieser Veröffentlichung, dessen Autor der jüdische
Historiker und Archäologe Phillipe Smolarski ist, sind die hervorragend recherchierten geschichtlichen Details über die jüdisch-mafiösen Gruppierungen Europas in der ersten Hälfte des
20. Jahrhunderts. Fayvels Geschichte zeigt ein wehrhaftes Judentum und exemplifiziert, dass die Grenze zwischen Opfern und Tätern heute nicht mehr in der gängigen Schwarz-Weiß-Manier
der Geschichtswissenschaften gezogen werden kann. Jüdische Gangster haben auch nach der deutschen Besetzung Polens in der Unterwelt ihre Illegalitäten getrieben und damit Gutes und Schlechtes bewirkt.

 

ISBN 978-3-945491-02-7

270 Seiten, Klappenbroschur                                                         Preis: 14,95 €

„Im weissen Kreis“

Oliver Bottini

Im weißen Kreis

Gibt es organisierte Neonazi-Strukturen in Deutschland? In welchem Umfang arbeiten Polizei und Verfassungsschutz mit Rechtsradikalen zusammen? Und besteht die Gefahr, dass eine Terrororganisation wie der NSU erneut in Deutschland tätig sein könnte?

Oliver Bottini schreibt dicht, konzentriert, faktenreich und mit einem besonderen Gespür für die Personen, ihre Stimmungen, ihre Hintergründe und Befindlichkeiten. Mit wenigen Worten kann er Menschen charakterisieren, so dass sie lebhaft vor einem zu stehen scheinen. Darüber hinaus liefert der Krimi „Im weißen Kreis“ politisch präzise Analysen : es geht um Rechtsradikalismus, um Strukturen, die viele Parallelen zum tatsächlich existierenden Nationalsozialistischen Untergrund haben.
ISBN 9783832196998
Gebunden, 304 Seiten                                                          Preis: 14,99 €

„Das Lachen der Täter: Brevik u.a.“

Klaus Theweleit

Das Lachen der Täter: Breivik u.a.
Psychogramm der Tötungslust

 

Vom Lachen der Killer wird in zahlreichen Fällen berichtet, aber selten wird es in seiner zentralen Bedeutung gedeutet – so die provokante These dieses Psychogramms. In den „Männerphantasien“ wagte Theweleit erstmals eine Beschreibung des gewalttätigen faschistischen Mannes und seines innerlich fragmentierten, äußerlich aber gepanzerten Körpers. Auf diese bahnbrechende Theorie greift er nun zurück, um die brutalen Mordtaten zu untersuchen, mit denen uns die Aktualität täglich konfrontiert: Anders Breivik, der selbsternannte Tempelritter, der 67 Jugendliche auf der norwegischen Insel Utøya erschießt; die Killer des „Islamischen Staats“, die grausame Köpfungen im Internet ausstellen; fanatisierte Attentäter, die die Karikaturisten von „Charlie Hebdo“ hinrichten; Kindersoldaten, die im Genozid an der Tutsi-Bevölkerung in Ruanda gelernt haben, zu morden und zu vergewaltigen.
Ihnen allen gemeinsam ist „das Lachen der Täter“, in dem sich eine Tötungslust offenbart, die die jeweilige politische Begründungssprache nur unzureichend verbergen kann.

 

 

ISBN: 9783701716371
Klappenbroschur, 248 Seiten                                            Prei:  22,90 €

„Migrar“

 

Javier Martínez Pedro / José Manuel Mateo

„Migrar“

Weggehen

ist ein außergewöhnliches Buch aus Mexiko. Ein Kind erzählt von seiner Auswanderung in die USA. Als blinde Passagiere auf Güterzügen haben der kleine Junge mit seiner Mutter und seiner Schwester viele Gefahren zu bestehen, bis sie in Los Angeles ankommen.

Der poetische Text ist sparsam, er gibt nur Orientierung durch die phantastische Bildgeschichte des Künstlers Javier Martinez Pedro.

 

Übersetzt aus dem Spanischen von Ilse Layer
Illustrationen von Javier Martínez Pedro
20 Seiten; Leporello, vertikal aufklappbar mit Leinenbezug; 16,6 x 32,2 cm
Altersempfehlung: Für Kinder ab 4 Jahren ein Wimmelbuch – für Jugendliche ein politisches Buch über Flucht und Migration in Mittelamerika – für Erwachsene ein bibliophiles Kunstwerk.

ISBN 978-3-922825-90-6                                                 Preis:28,90 €