Rezensionen

Schwarze Flamme

 

Dieses Buch begann als kurze Einführungsbroschüre in den späten 1990er Jahren, die dann einfach wuchs und wuchs. Wir waren selbst überrascht von der reichen Geschichte der breiten anarchistischen Tradition. Während wir damit gerechnet hatten, einige wenige Lücken zu füllen, öffnete sich vor unseren Augen eine unerwartete Welt: eine Weltgeschichte, die den meisten Anarchisten und Syndikalisten selbst unbekannt ist. Es war eine bewegende und faszinierende Geschichte voller Opfermut, Tragödien, Leiden und manchmal auch Humor und Pathos, durchsetzt mit Heldenhaftigkeit, Kreativität, Schönheit und Errungenschaften. Uns wurde auch klar, dass wir nicht einfach einen Nachruf auf eine Bewegung oder ein Buch von antiquarischem Interesse schreiben, sondern eine lebendige Tradition diskutieren, die für viele Leute von Interesse ist, die die Welt verändern wollen.

 

Als solches ist das vorliegende Buch auch ein Werk über die Zukunft, das wir einer besseren Welt und einem besseren Morgen widmen wollen.

 

Schwarze Flamme Vorwort und Einleitung

 

 

Schwarze Flamme ist eine Geschichte der Gegenmacht: die Südafrikaner Lucien van der Walt und Michael Schmidt legen eine umfassende Systematik und internationale Geschichte des Anarchismus und eine Auseinandersetzung mit Kernfragen wie Organisierung, Strategie und Taktik vor.

 

Vom 19. Jahrhundert bis zu heutigen antikapitalistischen Bewegungen zeichnen sie anarchistische Traditionen und seine zeitgenössischen Formen nach und untersuchen anarchistische Positionen zu Rasse, Gender, Klasse und Imperialismus. Durch ihre entschieden konzeptionelle Herangehensweise stellen sie die bisherige Geschichtsschreibung in einen neuen Rahmen. Mit seinem großen Umfang und der internationalen Dimension der Materialsammlung – auch zu Lateinamerika, Asien und Afrika gibt es umfassende Informationen – darf das Buch bereits jetzt als Standardwerk anarchistischer Geschichtsschreibung gelten: systematisch, kontrovers und ausgesprochen gut lesbar.

 

 

„Exil der frechen Frauen“

Der Roman „Exil der frechen Frauen“ erzählt von linker Kultur vor und während des Zweiten Weltkrieges sowie von der Geschichte dreier ihrer Protagonistinnen – Maria Osten , Ruth Rewald und Olga Benario.

Bereits auf den ersten Seiten wird offengelegt, dass jede seiner drei Heldinnen ermordet wird: Maria Osten in den Spätausläufern des stalinistischen Terrors in den frühen Vierzigern, Ruth Rewald und Olga Benario, die durch ihr Exil dem Antisemitismus und Antikommunismus Nazideutschlands vorerst entrinnen konnten, fallen schließlich der Shoa zum Opfer.

Zentral ist für den Autor Robert Cohen bei der literarischen Umsetzung historischer Themen jede billige Besserwisserei des nachträglichen Blicks zu vermeiden. Geradeheraus wird im Roman der Zeitunterschied zwischen den Figuren und den Lesenden problematisiert, wenn sich die drei Hauptpersonen Olga Benario, Ruth Rewald und Maria Osten unabhängig voneinander die Frage stellen, ob man sich an sie erinnern wird oder wie künftige Generationen ihr Handeln bewerten werden. Es sei, so Cohen in einem Interview, für jeden halbwegs gebildeten Menschen sehr einfach, diese drei Frauen und ihre Freunde und Bekannten, Brecht, Lukács, Bloch, Seghers, alle linken Intellektuellen, die in dem Buch vorkommen, von einem heutigen Standpunkt aus zu kritisieren. Ihm aber ginge es darum, sie zu verstehen. „Sie haben alle Stalin und der UdSSR die Treue gehalten – aus Gründen, die ich zum Teil sehr gut verstehen kann. Wen gab es denn sonst, an den man sich als Gegengewicht zum Faschismus in ihrer Lage noch hätte halten können?“ Dass jene linken Intellektuellen in Exil der frechen Frauen den stalinistischen Terror „übersehen“, ihn einfach nicht wahrhaben wollen und können, wirkt durch einen verstehenden Blick angesichts der Realität umso erschütternder: Maria Greßhörner, eine überzeugte Antifaschistin und Kommunistin, die sich bei ihrer Emigration aus Deutschland in die Sowjetunion aus Identifikation mit der neuen Heimat den Namen Maria Osten gibt, die lange Zeit keine Kritik an Partei und Stalin gelten lassen möchte, sie selbst wird schließlich gefoltert und von „den Genossen“ an die Wand gestellt.

Faszinierend sind die Einblicke in die Diskussionen um Kunst und Literatur, in die Gedankenwelt linker Kulturschaffender zu jener Zeit, in die Wahrnehmung der kapitalistischen Wirklichkeit und die Unterschiedlichkeit der Konsequenzen, die engagierte Künstlerinnen und Künstler aus ihr zogen, sowie in die eigene Geschichte schöpferisch tätiger Frauen, die sich gegen ihre männlichen Genossen behaupten mussten. Mit Ruth Rewald und Maria Osten sind zwei der drei Hauptpersonen selbst Schriftstellerinnen, Anna Seghers spielt eine wichtige Nebenrolle, im Laufe des Romans stehen auch die Fotografinnen Gerda Taro, Annemarie Schwarzenbach und Tina Modotti im Fokus; von letzterer stammt das Bild auf dem Einband des Buches.

Vins Gallico:Respekt. Ein ’Ndrangheta-Krimi

Eine heiße Augustnacht. Zwei Männer bewegen sich schemenhaft in der Dunkelheit der Hügel des Aspromonte. Im Kofferraum ihres Croma knurrt ein Hund und versucht zu entkommen. Sie packen ihn und binden ihm in Benzin getauchte Stofffetzen an den Schwanz. Der Auftrag von Don Rocco, dem abgetauchten Mafiaboss, war klar: »Gebt dem Hund Feuer und jagt ihn in den Wald oberhalb von Agatea, in ein paar Minuten wird dort alles in Flammen stehen!«

Aber die zwei Brandstifter sind nicht die Einzigen, die sich in der Finsternis des Aspromonte verstecken – irgendetwas läuft dramatisch schief bei ihrem Plan, der doch so einfach schien. So werden ein paar Tage später, als die Ordnungshüter den Brandschaden begutachten, die verkohlten Leichen von zwei Unbekannten entdeckt.

Als Tina Romeo, eigentlich Sportjournalistin des Provinzblatts, mit der Berichterstattung beauftragt wird und vor Ort erscheint, ist sie überzeugt, dass es sich um einen tragischen Unfall handelt. Sie ahnt nicht, dass sie kurz darauf selbst ins Zentrum einer Fehde zwischen alten Rivalen geraten wird, einer Intrige um Macht und Geld, die ihr Leben – und nicht nur ihres – völlig aus den Fugen bringen wird …

Tina erkennt, dass sie es mit der ’Ndrangheta zu tun hat, der mächstigsten Mafia-Organisation Europas. Sie recherchiert, schreibt und kämpft, macht die Angelegenheit immer mehr zu ihrer eigenen, aber sie weiß nicht, dass sie benutzt wird. So treibt die Geschichte ihrem furiosen Finale in den Bergen Kalabriens entgegen.

Gallico, Vins Cover: Respekt 
Respekt
Ein ’Ndrangheta-Roman
Aus dem Italienischen von Max Henninger
Assoziation A | ca. 384 Seiten | Paperback |  Februar 2013 | 14.00 €

„Wenn die anderen verschwinden sind wir nichts“

Gladys Ambort

Wenn die anderen verschwinden sind wir nichts

Laika Verlag, 224 S.

 

 

Gladys Ambort biografische Erinnerungen gehören zur literarischen Aufarbeitung der argentinischen Militärdiktatur. Die Militärdiktatur Argentiniens ist durch schwere Menschenrechtsverletzungen international bekannt geworden. Mittels massiven Staatsterrors wurde versucht, die linken sozialen Bewegungen und die Guerilla auszuschalten. Ca. 30000 Menschen verschwanden in den Jahren der Diktatur spurlos. Mord, Verhaftungen, Folter und Zwangsadoptionen gehörten zum Repertoire der Militärs.

Gladys Ambort schildert in ihrem Buch den Terror ihrer Haft mit zahlreichen Demütigungen, Gewalt, Isolation, Angst und dem Verschwinden und Folterungen ihrer Mitgefangener. Sie verschweigt auch nicht das politische Sektierertum und die Machtkämpfe zwischen den Gefangenen, die zu ihrem Gefühl der Verlassenheit beitrugen. „Wenn die anderen verschwinden sind wir nichts“ ist keine heroische Knastliteratur, in der es um den Widerstand gegen ein menschenverachtendes Gefängnisregime geht. Amborts geht in erster Linie der Frage nach, wie sie das Gefühl für sich selbst und ihre Identität verlieren konnte. Ihr Bericht ist eine eindrucksvolle philosophische Reflexion über Macht, Identität und die Bedeutung der anderen Menschen für die eigene Identität.


 Lesung und Diskussion mit Gladys Ambort:
“Wenn die anderen verschwinden sind wir nichts”
Donnerstag, 27. September, 20 Uhr
Buchladen »Schwarze Risse«, Gneisenaustr. 2a

Mehringhof
Eintritt frei
Zweisprachige Lesung

 

 

Memories of Rain – Szenen aus dem Untergrund

Der Film erzählt in Rückblenden die Geschichte von Jenny Cargill und Kevin Qhobosheane, die beide beim Nachrichtendienst des bewaffneten Flügels des African National Congress (ANC) in führender Position gegen den Apartheidstaat gekämpft haben. Sie stammt aus der weißen, begüterten Schicht Südafrikas, Kevin aus dem schwarzen Township Soweto. Der Weg der beiden wird gezeichnet von der Kindheit bis zum politischen Erwachen, das sie in den Untergrund und ins Exil führt. Wenn Jenny und Kevin von ihren Jahren im Untergrund erzählen, so entsteht eine Geschichte von Angst und Isolation, von Mut und Hingabe, von Erfolgen und Rückschlägen. Es ist die Geschichte eines getarnten Lebens, hinter dem die eigene Person verloren zu gehen droht. Aber sie stellen rückblickend auch Fragen an die Methoden des Widerstandskampfes. Sie berichten von Zweifeln und Schuld, denen sie sich ausgesetzt sahen, und von der Gefahr, im bewaffneten Kampf das Gefühl für Menschlichkeit einzubüßen.
Die Filmarbeiten für Memories of Rain begannen 1994 und endeten im Jahr 2004.

 

(„Memories of Rain – Views from the Underground“)
Dokumentarfilm,142 min.

OmU, englisch und deutsch

Südafrika, Deutschland, 2004,

19,90 €

Im Schatten des Tafelberges

In kaum einer anderen Stadt der Welt liegen Armut und Reichtum so dicht beieinander wie am Kap der guten Hoffnung. Der Dokumentarfilm Im Schatten des Tafelberges erzählt die Geschichten von Ashraf, Mne, Zoliswa und Arnold, die in den Armenvierteln rund um Kapstadt auf unterschiedliche Art und Weise ums Überleben kämpfen. Ashraf und Mne von der Anti Eviction Campaign setzten sich täglich in den Townships gegen Zwangsräumungen und Wassersperrungen ein. Zoliswa, eine alleinerziehende Mutter, sucht eine neue Stelle als Hausangestellte und Arnold macht eine Ausbildung zum bewaffneten Wachmann in der boomenden Sicherheitsindustrie. Als die Stadtverwaltung eine komplette Armensiedlung räumen lassen will, werden Ashraf und sein Freund Mne mit ihren eigenen unverarbeiteten Erlebnissen aus der Zeit der Apartheid konfrontiert …

 

(„When the mountain meets its shadow“)

Alexander Kleider, Daniela Michel

.Dokumentarfilm, 52 min.,

Deutschland, Südafrika, 2010

OmU(Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch)

24,00 €