Elsa Osorio: Die Capitana

Der Roman beginnt 1992 mit Mika Echebéhères Tod in Frankreich. Hellwach bis zum Ende. Sie hütet eine Liebe. Pflegt die Freundschaften, die in den 1930er Jahren geschlossen wurden. Macht kaum Aufhebens von der Zeit im Schützengraben, von Gewalt und Tod, von Intrige, Verrat und Gefängnis. Sie ist 74 Jahre alt, als 1975 in Paris ihre Erinnerungen an den Bürgerkrieg veröffentlicht werden (1).
Mika Etchebehere alias Micaela Feldman ist die Tochter jüdischer Emigranten aus Litauen.
Als Studentin schließt sie  sich in Buenos Aires (libertären) Kommunisten an, wird aus der KP geworfen, weil sie vor Stalin warnt und sich der Politik der Internationale nicht unterordnen will.
Mit ihrer großen Liebe Hipolito Etchebehere geht sie 1931  als Revolutionärin nach Europa – ins Pariser Quartier Latin, in den roten Wedding von Berlin. Aber statt einer Revolution erleben sie in Deutschland Hitlers Wahlsieg und ziehen 1936 mit der spanischen Arbeiterpartei in den Krieg gegen Franco. Dort kämpfen sie in einer Einheit des POUM, Hipolito fällt in der Schlacht von Sigüenza und Mika wird zu einer der wenigen capitana, die sich nicht in die Etappe der Küchen- und Sanitätsbrigaden schicken lässt, sie ist „Frau Hauptmann mit den cojones“, denn sie verschafft sich den Respekt der Männer durch ihren Mut; sie ist Vorbild, „eine keusche Heldin, die ihre Weiblichkeit versteckt“(!), sie wird anerkannt als „ihre Frau, eine außergewöhnliche Frau, rein und hart, der man ihr Geschlecht verzeiht, solange sie keinen Gebrauch davon macht.“(1,2) Sie überlebt die „Säuberungen“ der Stalinisten und den Bürgerkrieg, entkommt 1939 nach Frankreich, dann nach Argentinien und kehrt nach 1945 zurück nach Paris. Am Pariser Mai 1968 beteiligte sie sich aktiv.

Mehr als 20 Jahre lang beschäftigte sich Elsa Osorio mit Mika Etchebehere und sprach mit zahlreichen ZeitzeugInnen. Aus Informationen, Gesprächen und der Lektüre von Mika`s Buch „La guerra mia“ gelingt es Elsa Osorio nicht nur, einer fast  in Vergessenheit geratenen Revolutionärin ein Gesicht und eine Geschichte zu geben,  sie schafft auch ein  lebendiges Bild  von den Träumen und Hoffnungen, dem Kampf und den Niederlagen vieler RevolutionärInnen jener Zeit.
Unbedingt lesen!!!

 

Mika Etchebehere:

http://www.elcorreo.eu.org/local/cache-vignettes/L232xH292/doc-852-8544c.jpg

 

(1)  Mika Etchebehere: „La guerra mia“. Eine Frau kämpft für Spanien.

(vergriffen, aber: s. u.)

 

(2)  Ingrid Strobl: „Sag nie, du gehst den letzten Weg“. Frauen im bewaffneten Widerstand

(vergriffen,aber bei vielen älteren GenossInnen im Bücherregal zu finden)

 

übersetzt von Stefanie Gerhold, Insel-Verlag, Berlin 2011, 334 Seiten, geb., 19,95 Euro

 

 

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