Feministischer Soli-Kalender 2023 đŸ”„

Neues Jahr, neue Runde! Zum 2. Mal machen wir uns an einen feministischen Soli-Kalender. Unter dem Motto "Feministische Utopien — support your local feminist fights" sollen euch das kommende Jahr ĂŒber empowernde Artworks von 12 verschiedenen KĂŒnstler:innen begleiten, die dem Alltag etwas Schönes bringen.

Ein Teil der Spenden geht an Ciocia Basia/Tante Barbara (@ciocia.basia.berlin). Ein Projekt aus Berlin, welches SchwangerschaftsabbrĂŒche fĂŒr Personen aus Polen ermöglicht. Der zweite Teil geht an den Rolling Saferspace "RoSa" (@rollingsafespace). Dieser Verein gibt Flinta* auf der Flucht einen Safer Space.

Der Kalender kommt in einem A3 Hochformat mit Spiralbindung und lÀsst genug Platz, um Geburtstage und andere wichtige Tage zu markieren.

Preislich liegt dieser bei 15 bis 25€ (als Flexpreis).

Damit wir euch einige Kopfschmerzen mit Weihnachtsgeschenken abnehmen können, wird der Kalender ab dem 01.12 geliefert/erhÀltlich sein.

Vorbestellen könnt ihr ihn via Mail (lu_inne@web.de)

Soli GrĂŒĂŸe gehen raus! đŸ’«

Nachts ist unser Blut schwarz

Gewinner des "International Booker Prize 2021"

Alfa Ndiaye kÀmpft im Ersten Weltkrieg an der Seite der Franzosen gegen die Deutschen - ein "Schokosoldat" wie die Kameraden ihn nennen.
Als Alfas geliebter Kindheitsfreund in seinen Armen verblutet, wird er von Wut und Rache gepackt. Wie ein Wahnsinniger zieht er mit seiner Machete ĂŒber das Schlachtfeld und kehrt jeden Abend mit einem Gewehr des Feindes samt abgetrennter Hand zurĂŒck.
Erst bewundern ihn die anderen, dann fĂŒrchten sie den Wilden und wenden sich ab. David Diop hinterfragt die Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten und verlagert das Grauen des Krieges ins tiefste Innere. Die Stimme von Alfa Ndiaye betört und verstört. Ein archaischer Roman von unvergleichlicher literarischer Kraft. "Wie ein Tornado nimmt uns dieser kraftvolle, hypnotische Text mit. Atemberaubend!" L'HumanitĂ©.

"David Diop ruft uns mit archaischer Wucht die Vergessenen eines grausamen Krieges ins GedĂ€chtnis. Ein großes Buch, das lange nachwirkt." Julia Schoch.

Ich kenne einen Ort weit weg von hier

So viel Leben in so kurzer Zeit: das Aufwachsen im segregierten SĂŒden der USA, die erste turbulente, Liebe, frĂŒhe Mutterschaft, eine Karriere als weltreisende SĂ€ngerin, der Kampf fĂŒr BĂŒrgerrechte an der Seite von Martin Luther King Jr. 
 Und im Jahr 1962 beginnt fĂŒr die legendĂ€re Schriftstellerin und BĂŒrgerrechtlerin Maya Angelou ein neues Abenteuer, erneut spiegelt ihr Schicksal das der afroamerikanischen Community. Sie geht nach Accra, Ghana. Vertrieben von der Gewalt und Bigotterie ihrer Heimat, magisch angezogen von der ErfĂŒllung eines Traums: gleiches, gerechtes Leben in einem jungen unabhĂ€ngigen Land Afrikas. Doch bei der Arbeit am Theater, im Umgang mit den Freunden, angesichts der Gepflogenheiten der Liebe an diesem Ort ist sie mit neuen Konflikten konfrontiert. Ihre Hautfarbe ist keine gewaltvolle Zuschreibung mehr, vielmehr bleibt ihre amerikanische Herkunft unhintergehbar 


Ich kenne einen Ort weit weg von hier ist das Tagebuch eines Traums. Darin erzĂ€hlt Maya Angelou vom Hoffen, Handeln, Freuen und Bereuen nach der RĂŒckkehr auf den afrikanischen Kontinent nach Hunderten von Jahren. Und teilt auf virtuos-lebendige Weise ihren Glauben: Kraft und Selbstvertrauen liegen in der Schönheit der Sprache.

Klassenbeste Wie Herkunft unsere Gesellschaft spaltet

Von arbeitenden Frauen, FallschirmmĂŒttern und Mittelschichtsfeministinnen – Marlen Hobrack formuliert die Klassenfrage aus weiblicher Perspektive radikal neu.

Die WĂ€schekörbe waren immer voll – nicht mit WĂ€sche, sondern mit unbezahlten Rechnungen, die ihre Mutter trotz harter Arbeit nicht pĂŒnktlich bezahlen konnte. Wenn Marlen Hobrack an ihre Kindheit in Armut in einem bildungsfernen Haushalt denkt, stellt sie immer wieder fest, wie wenig ihr Aufwachsen mit den HerkunftserzĂ€hlungen der Mittelschicht gemeinsam hat, zu der sie als erfolgreiche Journalistin zĂ€hlt. Aber gehört sie als GrenzgĂ€ngerin zwischen den Klassen wirklich dazu? Als alleinerziehende Ostdeutsche, die mit 19 Mutter wurde?
PrĂ€gnant und erhellend rĂ€umt "Klassenbeste" mit Mittelklassemythen von Chancengleichheit und sozialem Aufstieg auf – und zeigt, dass jede identitĂ€tspolitische Debatte im Kern eine Klassenfrage ist.

Hund, Wolf, Schakal

Behzad Karim Khanis DebĂŒt ĂŒber das Schicksal zweier BrĂŒder verbindet die HĂ€rte der Straße mit der Melancholie iranischer Prosa. „Zehnmal besser als jedes ‚4 Blocks'.“ (Ijoma Mangold)

Nach der Hinrichtung der Mutter im Tumult der Iranischen Revolution fliehen der elfjĂ€hrige Saam und sein kleiner Bruder Nima mit ihrem Vater nach Deutschland. Doppelt fremd im arabisch dominierten Neukölln, fristet der Vater ein Leben zwischen Taxifahren, Backgammon und Scham, wĂ€hrend Saam versucht, die Rolle des Familienoberhaupts auszufĂŒllen. Mit allen Mitteln erkĂ€mpft er sich Respekt unter den brutalen Straßengangs, um seinen Bruder Nima zu beschĂŒtzen. Bis er eines Tages zu weit geht.
In seinem spektakulĂ€ren DebĂŒt schreibt Behzad Karim Khani ĂŒber die komplizierten Schicksale von RevolutionĂ€ren, Kleindealern und Messerstechern und entwickelt dabei einen ganz eigenen Sound, in dem sowohl die Melancholie iranischer Prosa als auch die HĂ€rte afroamerikanischen Raps anklingen.

Let’s Talk About Sex, Habibi - Liebe und Begehren von Casablanca bis Kairo | SexualitĂ€t, Erotik und Glaube

Von den erotischen Abenteuern aus „Tausendundeine Nacht“ bis hin zu den Debatten nach der sogenannten Kölner Silvesternacht: Die SexualitĂ€t „orientalischer“ MĂ€nner, Frauen und Queers wird immer wieder fetischisiert.

Mohamed Amjahid möchte in diesem Buch einen ungetrĂŒbten Blick in die Schlafzimmer Nordafrikas werfen und mit Klischees und rassistischen Stereotypen aufrĂ€umen. Auf Basis eigener Erlebnisse und der Erfahrungen seiner Bekannten, Freund*innen und Verwandten erzĂ€hlt er berĂŒhrend, witzig, intim und ehrlich, wie die alltĂ€gliche SexualitĂ€t der Nordafrikaner*innen wirklich ist und welche SehnsĂŒchte dahinter stecken. Dabei fragt man sich: Liegen wir am Ende doch alle im gleichen Bett?

MaschinenstĂŒrmer - Autonomie und Sabotage

England im 19. Jahrhundert. Eine Reihe von Angriffen auf Textilfabriken sorgt für Unruhe bei den Eigentümern. Zuvor sind in Folge der Einführung neuartiger Maschinen die Löhne radikal gesenkt, ArbeitsplĂ€tze gestrichen und die Freiheiten der Belegschaft verringert worden. Die Arbeiter reagieren radikal auf die Situation und zerstören in Hunderten von organisierten Attacken und Sabotageakten die neue Technik. Der Mythos ihrer fiktiven Anführerfigur, King Ned Ludd, verleiht den Maschinenstürmern ihren Namen: Ludditen.
In einer historischen Suchbewegung verfolgt Gavin Mueller ihre Spuren und zeigt, wie sich die AnsĂ€tze der Ludditen bis heute in unterschiedlichsten Arbeitsbereichen, bewusst oder unbewusst, immer wieder Bahn gebrochen haben – und das, obgleich ein Großteil der marxistischen Tradition sie stets als kurzsichtige Fortschrittsfeinde abtat.
Mueller berichtet von Webern, Hafen- und Minenarbeitern, deren soziokulturelles Leben durch die Maschinen zersetzt wurde. Er erzÀhlt von Automatisierungsprozessen, die die PrekaritÀt bestimmter Bevölkerungsgruppen verschÀrften, von Studierenden, die im Protest gegen den Vietnamkrieg Computer zerstörten sowie von modernen Hackern, filesharenden Copyright-Pirat*innen, von DIY-Reparaturworkshops und Supermarktdieben.
Ein PlĂ€doyer für einen neuen, linken und kĂ€mpferischen Blick auf die Geschichte und Zukunft der Maschinenstürmer, der in den Fokus rückt, was schon das Ziel der frühen Ludditen war: Autonomie.

Die DiversitÀt der Ausbeutung - Zur Kritik des herrschenden Antirassismus

In Deutschland wird von Antidiskriminierungsstellen bis zur radikalen Linken ein liberaler Rassismusbegriff vertreten, der vor allem auf ReprĂ€sentation, Inklusion und DiversitĂ€t setzt. Wie Klasse und »Rasse« zusammenhĂ€ngen, wird aktuell so gut wie nicht diskutiert. Dabei gibt es durchaus eine kritisch-marxistische Tradition der Rassismusforschung. Der vorliegende Band will diesen Fundus heben. Hierzu werden historische und aktuelle Diskussionen aus dem englischsprachigen Raum rezipiert sowie aus deutschsprachigen marxistischen Wissensarchiven aktualisiert. Gleichzeitig bietet das Buch eine politische Intervention in die aktuelle Debatte um strukturellen und institutionellen Rassismus – ob auf dem Arbeitsmarkt oder bei der Polizei – und prĂ€sentiert Alternativen zum liberalen Antirassismus, indem ein marxistischer Rassismusbegriff in Theorie und Praxis vorgestellt wird.

Mit BeitrÀgen von Celia Bouali, Sebastian Friedrich, Fabian Georgi, Eleonora Roldån Mendívil, Lea Pilone, Bafta Sarbo, Hannah Vögele und einem Vorwort von Christian Frings.

Revolusi - Indonesien und die Entstehung der modernen Welt | Der lang erwartete Nachfolger des Weltbestsellers »Kongo«

Als Japan 1941 den Angriff auf Pearl Harbor startete, begann sich das historische Fenster fĂŒr ein anderes Ereignis zu öffnen. Seit Jahrzehnten hatten Indonesier fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit von der Kolonialmacht Niederlande gekĂ€mpft, im August 1945 wurde sie vom spĂ€teren PrĂ€sidenten Sukarno proklamiert. Es folgte ein mehrjĂ€hriger, brutaler Krieg. Diese Revolusi war in zweierlei Hinsicht Weltgeschichte: Sie ergab sich aus einem globalen Konflikt und hatte globale Signalwirkung. Indonesien setzte sich an die Spitze der Dekolonisation, die bald auch Afrika erfasste und die politische Landkarte fĂŒr immer verĂ€nderte. In Debatten um Kolonialverbrechen und die RĂŒckgabe geraubter Kunstwerke beschĂ€ftigt sie uns bis heute.
David Van Reybrouck hat jahrelang recherchiert und mit fast 200 Zeitzeugen gesprochen. In Nepal interviewte er Gurkha-Soldaten, in Australien einen der wenigen indonesischen Kommunisten, die die Massaker 1965/66 ĂŒberlebten, in Nordholland einen 1914 auf Sumatra geborenen FĂŒrstensohn: Djajeng Pratomo ging zum Studium nach Leiden, schloss sich dem Widerstand gegen die deutsche Besatzung an und ĂŒberlebte das KZ Dachau. Ihre Erinnerungen verknĂŒpft Van Reybrouck zu einer historischen ErzĂ€hlung, deren Sog man sich kaum entziehen kann.

Auf See

Der neue Roman von Theresia Enzensberger. "Eine brillante Zukunftsvision, so unterhaltsam wie klug konstruiert und schnörkellos geschrieben." Corinne Orlowski, WDR3 Lesestoff

Yada wĂ€chst als BĂŒrgerin einer schwimmenden Stadt in der Ostsee auf. Ihr Vater, ein libertĂ€rer Tech-Unternehmer, hat die Seestatt als Rettung vor dem Chaos entworfen, in dem die ĂŒbrige Welt versinkt. In den Jahren seit ihrer GrĂŒndung ist der Glanz vergangen, Algen und Moos ĂŒberwuchern die einst spiegelnden FlĂ€chen. Yadas Vater fĂŒrchtet, sie könne das Schicksal ihrer Mutter ereilen, die vor ihrem Tod an einer rĂ€tselhaften Krankheit litt. Und Yada macht eines Tages eine Entdeckung, die alles ins Wanken bringt. Klug, packend und visionĂ€r erzĂ€hlt Theresia Enzensbergers großer Roman von den utopischen Versprechen neuer Gemeinschaften und dem GlĂŒck im Angesicht des Untergangs.

 

Das Wasser des Sees ist niemals sĂŒĂŸ

Eine Frage der Klasse: Radikal unversöhnlich erzĂ€hlt Giulia Caminito von nicht eingelösten Aufstiegsversprechen und den enttĂ€uschten TrĂ€umen einer ganzen Generation junger Italiener – ein berĂŒhrender, zorniger, großer Anti-Bildungsroman.

Am Grund des Sees liegt eine versunkene Weihnachtskrippe, sein Wasser schimmert trĂŒb, schmeckt nach Sonnencreme und Benzin. Hier, am Lago di Bracciano, bezieht Gaia mit ihrer Familie eine Sozialwohnung: der Vater, der seit einem Arbeitsunfall im Rollstuhl sitzt, der Ă€ltere anarchistische Bruder Mariano, die kleinen Zwillinge – und die Mutter Antonia, die so zupackend wie rĂŒcksichtslos alles zusammenhĂ€lt.

Ihre Tochter, blass, sommersprossig, dĂŒrr, soll nicht so enden wie sie, Bildung soll der Ausweg fĂŒr Gaia sein. Doch die erkennt frĂŒh, dass Talent und zwanghafter Fleiß nicht ausreichen, um mitzuhalten – wenn man kein liebes MĂ€dchen sein will, den filzstiftgrĂŒnen Pullover des Bruders auftrĂ€gt und sich kein Handy leisten kann. Konfrontiert mit Herabsetzungen, Leistungsdruck und Orientierungslosigkeit verwandelt sich Gaias stumme Verletzlichkeit in maßlose Wut, die sie zunehmend Grenzen ĂŒberschreiten lĂ€sst.

Giulia Caminito hat ein sanftes, raues, wundersam reiches Buch geschrieben: ĂŒber eine Jugend in der Provinz, lĂ€cherliche Lieben, grundstĂŒrzende Dramen und eine junge Frau, die ihrer Herkunft nicht entkommt. Ein Roman mit einer unverwechselbaren ErzĂ€hlstimme und Bildern, die haften bleiben wie ungeliebte Spitznamen.

'Surazo' Monika und Hans Ertl: Eine deutsche Geschichte in Bolivien

Am 12. Mai 1973 wird Monika Ertl in La Paz im Verlauf eines Feuergefechts von SicherheitskrĂ€ften auf der Straße erschossen. Sie ist zum Zeitpunkt ihres Todes Mitte dreißig und Mitglied der bolivianischen Guerilla ELN. Ihr Vater, Hans Ertl, erfĂ€hrt vom Tod seiner Tochter auf seiner Rinderfarm La Dolorida im bolivianischen Regenwald. Dorthin war der Kameramann Leni Riefenstahls und Rommels bevorzugter Frontfotograf in den 1950er-Jahren ausgewandert. In seinem Umfeld: rechtsnationale Diktatoren und SS-ObersturmfĂŒhrer, deutsche Missionare und jĂŒdische Emigranten, Indigene und scheinbare ZauberkĂŒnstler, denen es gelingt, bei voller Sicht unsichtbar zu bleiben. Entlang ihrer Spuren folgt diese Recherche den Linien transatlantischer VerlĂ€ngerungen nationalsozialistischer Karrieren, spĂŒrt dem Engagement der nĂ€chsten Generation in den internationalen Netzwerken der Achtundsechziger nach und verzweigt sich dabei bis in die Tiroler Alpen und nach Linz. Surazo, der Name des kalten Tropenwindes, sollte der Titel von Hans Ertls letztem Film sein; Surazo, das ist stattdessen eine Tiefenbohrung, die wie nebenbei von Geschichtsschreibung in einer verstrickten Welt erzĂ€hlt; Surazo, das ist die Suche nach Antworten auf Fragen, die wir uns nach wie vor stellen mĂŒssen.

Nachleben

Der jĂŒngste Roman des LiteraturnobelpreistrĂ€gers erstmals auf Deutsch: Eine erschĂŒtternde, generationsĂŒbergreifende Saga ĂŒber Krieg und Liebe zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Ilyas ist elf, als er aus Not sein bitterarmes Zuhause an der ostafrikanischen KĂŒste verlĂ€sst und von einem Soldaten der deutschen Kolonialtruppen zwangsrekrutiert wird. Jahre spĂ€ter kehrt er in sein Dorf zurĂŒck, doch seine Eltern sind tot. Ilyas macht sich auf die Suche nach seiner kleinen Schwester Afiya, die bei Verwandten untergekommen ist, wo sie wie eine Sklavin gehalten wird und niemand ihre Talente sehen will. Auch ein anderer junger Mann kehrt nach Hause zurĂŒck: Hamza war von seinen Eltern als Kind verkauft worden und hatte sich freiwillig den deutschen Truppen angeschlossen. Mit nichts als den Kleidern am Leib sucht er nun Arbeit und Sicherheit - und findet die Liebe der klugen Afiya. WĂ€hrend das Schicksal die drei jungen Menschen zusammenfĂŒhrt, wĂ€hrend sie leben, sich verlieben und versuchen, das Vergangene zu vergessen, rĂŒckt aus Europa der nĂ€chste Weltkrieg bedrohlich nĂ€her ...

'Die Sprache der Vagabunden' Eine Geschichte des Rotwelsch und das Geheimnis meiner Familie

Die unheimliche Macht der geheimen Worte – die bewegende Geschichte des Rotwelsch

Sie hinterließen geheime Zeichen, um den Nachfolgenden anzuzeigen, wo man willkommen war und wo nicht. Und sie benutzten einen geheimen Code, um auf der Straße zu ĂŒberleben. Man nannte sie Vagabunden, Ausgestoßene, fahrendes Volk. Ihre rĂ€tselhafte Sprache, das Rotwelsch, hat Martin Puchner schon in den siebziger Jahren als Kind in der frĂ€nkischen Provinz fasziniert. Viel spĂ€ter, als Professor in Harvard, wird er diesen Code als Wissenschaftler erforschen – und erkennen, dass auch seine eigene Familie mit dieser Sprache auf unheilvolle Weise verbunden ist. Ein bewegendes und anrĂŒhrendes Buch ĂŒber die unheimliche Macht der Worte - und ein dunkles Familiengeheimnis.

Anleitung ein anderer zu werden

Der neue Roman von Édouard Louis, Autor von »Das Ende von Eddy«

Was kostet es, das eigene Leben in die Hand zu nehmen?

Mit Mitte zwanzig hat er schon mehrere Leben hinter sich: Eine Kindheit in extremer Armut, die Scham ĂŒber die eigene Herkunft, die Flucht vom Dorf in die Stadt, den Aufbruch nach Paris. Er macht sich frei von den Grenzen seiner Herkunft, nimmt einen neuen Namen an, liest und schreibt wie ein Besessener, probiert sich aus, will alle Leben leben. Immer neue Welten erschließen sich ihm. Mit unbĂ€ndiger Energie erfindet er sich wieder und wieder, schließt Freundschaften und hinterfragt doch die radikale SelbstverĂ€nderung, die sich nie ganz vollendet. Édouard Louis hat ein großes Buch geschrieben darĂŒber, was man zurĂŒcklĂ€sst, wenn man bei sich selbst ankommt.

'Zami' Eine neue Schreibweise meines Namens

Als Tochter karibischer Einwanderer wĂ€chst Audre Lorde im Harlem der vierziger Jahre heran. Eine Zeit, die sie eindrucksvoll und zutiefst poetisch heraufbeschwört. Ihre Erinnerungen sind geprĂ€gt von bedeutsamen Beziehungen zu Frauen – ihrer Mutter, Freundinnen, Geliebten –, von ihren Erfahrungen in der queeren New Yorker Subkultur aber auch von schmerzhaften Momenten der Ausgrenzung. Wie in einem Bildungsroman entwirft Lorde in ihrem literarischen Hauptwerk ein PortrĂ€t der KĂŒnstlerin als junge Frau, erzĂ€hlt die Geschichte einer Selbstfindung: vom hochbegabten MĂ€dchen zur brillanten Schriftstellerin und zur „Schwarzen, Lesbe, Feministin, Mutter, Dichterin, Kriegerin“.

'Der Berg, der Menschen frisst' In den Minen des bolivianischen Hochlandes

Der rohstoffreiche Berg Cerro Rico de PotosĂ­ in Bolivien ist Teil einer globalen Kette, die außergewöhnlichen Reichtum mit bitterster Armut verbindet. Am Anfang der Kette steht ein vierzehnjĂ€hriges MĂ€dchen, das in einer Silbermine arbeitet. FĂŒr zwei Euro pro Nacht schiebt die Halbwaise Alicia einen Wagen voller Steine durch die unterirdischen Stollen, um die Familie mitzuernĂ€hren. Der giftige Staub der Mine schwebt in der Luft, die sie einatmet, und sickert ins Wasser, das sie trinkt.
Anhand von Alicia, ihrer Familie und des Ortes, an dem sie lebt, erzĂ€hlt der anerkannte, investigativ arbeitende Journalist Ander Izagirre die Geschichte des »Rohstoffsegens« in Bolivien: von den Conquis­tadores, die Mineralien in Sklavenarbeit abbauen ließen, ĂŒber den Aufstieg einer lokalen Oligarchie im 19. Jahrhundert bis hin zu einer Reihe von MilitĂ€rdiktaturen, oft installiert mithilfe der USA, um die Rohstoffversorgung des Nordens zu sichern. Izagirre zeigt, wie die Arbeitsbedingungen und fehlende Sicherheitsvorkehrungen in den Minen ein patriarchalisches Gesellschaftssystem hervorgebracht haben, in dem traumatisierte und durch Alkohol betĂ€ubte Bergleute erlittene Gewalt an Ehefrauen und Kinder weitergeben.
Das Ergebnis ist eine einzigartig fesselnde Mischung aus Memoiren, Reportagen, Reiseberichten und historischen Texten, die an die Sozialreportagen von Ryszard Kapuscinski erinnert.

Wie Vergesellschaftung gelingt

Am 26. September 2021 stimmte eine Mehrheit der Berliner:innen in einem Volksentscheid fĂŒr die Vergesellschaftung von weit ĂŒber 200.000 Wohnungen großer Immobilienkonzerne in der Hauptstadt. Das Ergebnis von 59,1 % Ja-Stimmen fĂŒr den Vorschlag der Initiative Deutsche Wohnen & Co enteignen ist ein klares Votum, das es nun umzusetzen gilt. Aber wie?
Ein vergleichbares Unterfangen hat es in der Geschichte der Bundes­republik noch nicht gegeben. Die Initiative Deutsche Wohnen & Co enteignen hat daher eigene Modelle zur Umsetzung entwickelt, Jurist:innen und andere Expert:innen haben diese VorschlĂ€ge kom­mentiert, amtliche Gutachten und Stellungnahmen kamen hinzu. Die vorliegende Sammlung von BeitrĂ€gen gibt einen Überblick ĂŒber den Stand der Debatte.
Unstrittig ist dabei eines: Vergesellschaftung ist verfassungskonform – sie kann sich auf Artikel 15 des Grundgesetzes berufen. Offen ist al­lerdings die Ausgestaltung. Hier gibt es zahlreiche Fragen, die politi­sche EntscheidungstrĂ€ger:innen, aber auch die Expert:innenkommission des Berliner Senats und nicht zuletzt die Öffentlichkeit diskutieren mĂŒssen. Den Weg zu den Antworten ebnet dieser Sammelband.

'Along the color line' Eine Reise durch Deutschland 1936

1936 reist der afroamerikanische Soziologe W. E. B. Du Bois zu einem mehrmonatigen Forschungsaufenthalt ins nationalsozialistische Deutschland. Als scharfer Kritiker des Rassismus in seinem eigenen Land beobachtet er den Antisemitismus und die Entrechtung der Juden im "Dritten Reich". Seine wöchentlichen Reportagen aus diesen Monaten erscheinen hier zum ersten Mal in deutscher Sprache. Du Bois berichtet ĂŒber die Wagner-Festspiele in Bayreuth und das Deutsche Museum in MĂŒnchen, ĂŒber deutsche Bierlokale und die Olympischen Spiele in Berlin, bei denen auch schwarze Sportler antreten. Mit der Vertrautheit des Deutschlandkenners und dem fremden Blick des schwarzen Amerikaners betrachtet er die totalitĂ€re Diktatur. Du Bois beobachtet entlang der "Farbenlinie", "along the color line", und stellt ĂŒberrascht fest, dass er persönlich kaum Diskriminierung erfĂ€hrt. Umso mehr erschĂŒttert ihn die Verfolgung der Juden: «Sie ĂŒbertrifft an rachsĂŒchtiger Grausamkeit und öffentlicher HerabwĂŒrdigung alles, was ich je erlebt habe», fasst er seine EindrĂŒcke zusammen, «und ich habe einiges erlebt».

Wir haben nichts mehr zu verlieren 
 nur die Angst!

Die Situation von FrauenhÀusern wurde seit Beginn der Pandemie in einer medialen Breite besprochen, wie wahrscheinlich seit Mitte der 1970er nicht mehr.

Franziska Benkel rekonstruiert in »Wir haben nichts mehr zu verlieren – nur die Angst« die Entstehungsgeschichte des ersten Frauenhauses in Westberlin und der Bewegung in Deutschland. Das Buch ĂŒberzeugt durch die dichte Abbildung der Verhandlungen, GesprĂ€che und KĂ€mpfe zwischen Akteur*innen der Frauenbewegung und Politik. Mit Blick auf die aktuelle Pandemie und zurĂŒck in die Vergangenheit nĂ€hert sich die Autorin den Ursachen fĂŒr geschlechtsspezifische Gewalt und Femizid an.

„Die beginnende Sichtbarkeit der patriarchalen Gewalt durch die FrauenhĂ€user und ein wachsendes öffentliches Interesse fĂŒhrten zu enormen WiderstĂ€nden seitens der bĂŒrgerlichen Gesellschaft, die praktisch in allen Facetten allergisch auf die BemĂŒhungen der Frauenbewegung reagierte.“ Franziska Benkel

'KIEW UNABHÄNGIGKEITSPLATZ' Verlauf und HintergrĂŒnde der Bewegung auf dem Majdan

Was ist auf dem Kiewer Majdan-Platz wirklich passiert und wie ist diese Basisbewegung einzuordnen? Handelte es sich um einen breiten sozialen Aufstand oder doch nur um einen autoritÀren Staatsstreich? Und was wird in der Ukraine aktuell ausgefochten?
Diesen und anderen Fragen geht Roman Danyluk in diesem Buch nach. Er legt dabei den Schwerpunkt auf die sozialen Probleme des Landes und rekonstruiert noch einmal die SelbstermĂ€chtigung der vielen Menschen, die sich ĂŒber politische und kulturelle Lagergrenzen hinweggesetzt haben, um gemeinsam gegen ein autoritĂ€res und autokratisches Regime zu kĂ€mpfen.
Auch der Einfluss der rechtsextremen KrĂ€fte in dieser Bewegung kommt ausfĂŒhrlich zur Sprache.
Die Bewegung auf dem Majdan hat zu dramatischen Entwicklungen gefĂŒhrt, wobei sich das Land rasch in einem ernsthaften internationalen Konflikt wiederfand. Konnte die Ukraine bislang von ihrer geographischen Lage zwischen der EU und Russland eher profitieren, so hat sich die neue Regierung ganz dem Westen ausgeliefert. Diese Entscheidung hat schon jetzt katastrophale Folgen: Rigide Sparmaßnahmen, sinkender Lebensstandard, Separatismus und BĂŒrgerkrieg, Annexion der Krim durch Russland.
Wie konnte es dazu kommen? Und gibt es Auswege aus dieser gefÀhrlichen Situation, die den Menschen in der Ukraine eine Perspektive auf ein besseres Leben eröffnen? Auch das ist Thema dieses Buches.

Die postkoloniale Stadt lesen. Historische Erkundungen in Friedrichshain-Kreuzberg

Obwohl das Thema Kolonialismus in letzter Zeit viel diskutiert wird, gibt es viele WissenslĂŒcken ĂŒber die koloniale Vergangenheit und post­koloniale Gegenwart. Das zeigt sich besonders auf der lokalen Ebene der Stadt: Wie hat sich der Imperialismus des Deutschen Reiches mit seinem Ausgreifen nach Übersee, aber auch nach Ost- oder SĂŒdosteuropa im stĂ€dtischen Leben niedergeschlagen? Was ist davon geblieben?

„Die postkoloniale Stadt lesen“ befasst sich exemplarisch mit dem Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg – anhand von Bauten, Verkehrsknotenpunkten, Organisationen, Firmen, Kultureinrichtungen und konkreten Personen, die mit dem imperialen Projekt in Verbindung standen, aber auch widerstĂ€ndig waren. Im einleitenden Essay erlĂ€utern Natalie Bayer und Mark Terkessidis die theoretischen Ausgangspunkte und die Herangehensweise fĂŒr eine Stadtforschung, die den Kolonialismus nicht als historischen Sonderfall behandelt, sondern als dynamisches Moment in der Entwicklung von StĂ€dten verortet.

'MaschinenstĂŒrmer' Autonomie und Sabotage

Gavin Mueller erweckt die Tradition der maschinenstĂŒrmenden Ludditen zu neuem Leben – und formuliert eine radikale Kritik am gegenwĂ€rtigen linken Technik-Optimismus

England im 19. Jahrhundert. Eine Reihe von Angriffen auf Textilfabriken sorgt fĂŒr Unruhe bei den EigentĂŒmern. Zuvor sind in Folge der EinfĂŒhrung neuartiger Maschinen die Löhne radikal gesenkt, ArbeitsplĂ€tze gestrichen und die Freiheiten der Belegschaft verringert worden. Die Arbeiter reagieren radikal auf die Situation und zerstören in Hunderten von organisierten Attacken und Sabotageakten die neue Technik. Der Mythos ihrer fiktiven AnfĂŒhrerfigur, King Ned Ludd, verleiht den MaschinenstĂŒrmern ihren Namen: Ludditen.
In einer historischen Suchbewegung verfolgt Gavin Mueller ihre Spuren und zeigt, wie sich die AnsĂ€tze der Ludditen bis heute in unterschiedlichsten Arbeitsbereichen, bewusst oder unbewusst, immer wieder Bahn gebrochen haben – und das, obgleich ein Großteil der marxistischen Tradition sie stets als kurzsichtige Fortschrittsfeinde abtat.
Mueller berichtet von Webern, Hafen- und Minenarbeitern, deren soziokulturelles Leben durch die Maschinen zersetzt wurde. Er erzÀhlt von Automatisierungsprozessen, die die PrekaritÀt bestimmter Bevölkerungsgruppen verschÀrften, von Studierenden, die im Protest gegen den Vietnamkrieg Computer zerstörten sowie von modernen Hackern, filesharenden Copyright-Pirat*innen, von DIY-Reparaturworkshops und Supermarktdieben.
Ein PlĂ€doyer fĂŒr einen neuen, linken und kĂ€mpferischen Blick auf die Geschichte und Zukunft der MaschinenstĂŒrmer, der in den Fokus rĂŒckt, was schon das Ziel der frĂŒhen Ludditen war: Autonomie.

'The Future Is Degrowth' A Guide to a World beyond Capitalism

Economic growth isn’t working, and it cannot be made to work. Offering a counter-history of how economic growth emerged in the context of colonialism, fossil-fueled industrialization, and capitalist modernity, The Future Is Degrowth argues that the ideology of growth conceals the rising inequalities and ecological destructions associated with capitalism, and points to desirable alternatives to it.

Not only in society at large, but also on the left, we are held captive by the hegemony of growth. Even proposals for emancipatory Green New Deals or postcapitalism base their utopian hopes on the development of productive forces, on redistributing the fruits of economic growth and technological progress. Yet growing evidence shows that continued economic growth cannot be made compatible with sustaining life and is not necessary for a good life for all.

This book provides a vision for postcapitalism beyond growth. Building on a vibrant field of research, it discusses the political economy and the politics of a non-growing economy. It charts a path forward through policies that democratise the economy, “now-topias” that create free spaces for experimentation, and counter-hegemonic movements that make it possible to break with the logic of growth. Degrowth perspectives offer a way to step off the treadmill of an alienating, expansionist, and hierarchical system.

A handbook and a manifesto, The Future Is Degrowth is a must-read for all interested in charting a way beyond the current crises.

Unpayable Debt

Unpayable Debt offers a black feminist reading of the political architecture of the global present. Inspired by Octavia E. Butler’s novel Kindred, in which an African American writer is transported from 1970s Los Angeles to the antebellum South to save the life of the child of a slave-owner who is also her ancestor, the concept of the unpayable debt—a debt someone owes but that is not hers to pay—relates post-Enlightenment versions of ethical and economic value to colonial and racial subjugation. Focusing on the philosophical basis of these renderings of value, Denise Ferreira da Silva exposes how coloniality and raciality operate in the juridical, ethical, and symbolic systems that facilitate the expropriation of labor and extraction of land essential for the accumulation of Capital.

'Decolonial Marxism' Essays from the Pan-African Revolution

A previously unpublished collection of Rodney’s essays on race, colonialism and Marxism

Early in life, Walter Rodney became a major revolutionary figure in a dizzying range of locales that traversed the breadth of the Black diaspora: in North America and Europe, in the Caribbean and on the African continent. He not only witnessed a Pan-African and socialist internationalism; in his efforts to build mass organisations, catalyse rebellious ferment, and theorise an anti-colonial path to self-emancipation, he can be counted among its prime authors.

Decolonial Marxism records such a life by collecting previously unbound essays written during the world-turning days of Black revolution. In drawing together pages where he elaborates on the nexus of race and class, offers his reflections on radical pedagogy, outlines programs for newly independent nation-states, considers the challenges of anti-colonial historiography, and produces balance sheets for a dozen wars for national liberation, this volume captures something of the range and power of Rodney’s output. But it also demonstrates the unbending consistency that unites his life and work: the ongoing reinvention of living conception of Marxism, and a respect for the still untapped potential of mass self-rule.

Empfehlungen

Selbstverteidigung, Eine Philosophie der Gewalt

Vom Sklavenwiderstand bis zum Jiu-Jitsu der Suffragetten, vom Aufstand im Warschauer Ghetto bis zu den Black Panther und den Queer-Patrouillen zeichnet Elsa Dorlin in ihrem preisgekrönten Buch eine Genealogie der politischen Selbstverteidigung nach. Diese Geschichte der Gewalt wirft ein neues Licht auf die Definition der modernen SubjektivitĂ€t und die zeitgenössische Sicherheitspolitik. Sie fĂŒhrt zu einer Neuinterpretation der politischen Philosophie, in deren Rahmen Hobbes und Locke mit Frantz Fanon, Michel Foucault, Malcolm X, June Jordan und Judith Butler in ein faszinierendes StreitgesprĂ€ch geraten.

Femizid Der Frauenkörper als Territorium des Krieges

In den vergangenen Jahrzehnten, die von Neoliberalismus und einem zunehmend autoritĂ€ren Wandel der Gesellschaften und Regierungen geprĂ€gt waren, hat die weltweite Gewalt gegen Frauen drastisch zugenommen. Die seit 1993 andauernden systematischen Frauenmorde in der mexikanischen Grenzstadt Ciudad JuĂĄrez sind dabei nur die Spitze des Eisbergs – in ganz Mexiko fielen 2019 mehr als 3.800 Frauen mĂ€nnlicher Gewalt zum Opfer.

Die argentinische Anthropologin Rita Segato spricht angesichts derartiger Beispiele von einem »globalen Krieg gegen Frauen«. Um diese neue, extrem gewaltsame Wendung des Patriarchats zu verstehen, mĂŒssten solche Taten aus dem Privaten in die politische Öffentlichkeit geholt werden. Segato fordert, Frauenmorde nicht lĂ€nger in privaten und sexuellen Kategorien zu betrachten, sondern vielmehr als systembedingte Feminizide zu benennen, die ĂŒber die Erniedrigung von Frauenkörpern den Herrschaftsanspruch von MĂ€nnerbĂŒnden formulieren und kommunizieren sollen.

Ihrer Ansicht nach wird es nur durch eine Wiederbelebung und Re-Politisierung der Kommunen und Gemeinschaften gelingen, diesen global stattfindenden Femi-geno-zid zu stoppen. Es geht der Autorin mit ihrer Intervention nicht nur um eine Beschreibung der RealitĂ€t und eine theoretische Auseinandersetzung mit alten und neuen Begriffen, sondern gleichermaßen darum, konkrete Handlungsmöglichkeiten vorzuschlagen und gesellschaftliche Gegenwehr zu entwickeln.

Den Schmerz der Anderen begreifen Holocaust und WeltgedĂ€chtnis | Ein PlĂ€doyer fĂŒr eine empathische Erinnerungskultur

In einem Moment, in dem hitzige Feuilleton-Debatten den Eindruck erwecken, es ginge um einen kurzlebigen Positionsstreit, stellt Charlotte Wiedemann klar: Was wir erleben, ist eine Zeitenwende – wir mĂŒssen unsere Haltung zur deutschen Geschichte aus einer kosmopolitischen Perspektive neu begrĂŒnden. Das heißt: nicht-europĂ€ische, nicht-westliche Sichtweisen ebenso einbeziehen wie die AnsprĂŒche einer jungen, diversen Generation in Deutschland. Wie lĂ€sst sich in Zukunft an den Holocaust und an die kolonialen Verbrechen erinnern? Globalhistorisch fundiert und persönlich zugleich denkt Charlotte Wiedemann die Idee des Antifaschismus neu und entwirft ein empathisches Gedenkkonzept fĂŒr unsere Zeit

INTER*PRIDE Perspektiven aus einer weltweiten Menschenrechtsbewegung

Weltweit setzen sich Inter*-Aktivist*innen fĂŒr die Rechte, Sichtbarkeit und Selbstbestimmung von intergeschlechtlichen Menschen ein. Der Sammelband Inter* Pride gibt Einblicke in diese seit den 1990er Jahren sich formierende, junge internationale Menschenrechtsbewegung, ihren Aktivismus und ihre AnsĂ€tze. Wie gestaltet sich Inter*-Aktivismus in unterschiedlichen Regionen der Welt? Und was bedeutet „Pride“, also Stolz, fĂŒr intergeschlechtliche Menschen, deren Erfahrungen hĂ€ufig von BeschĂ€mung, Gewalt und Normierung geprĂ€gt sind? Dieses Buch versucht vielseitige und mitunter kreative Antworten auf diese Fragen zu finden und verbindet hierbei fachliche und aktivistische Texte, Interviews und biografische sowie kĂŒnstlerische BeitrĂ€ge von Autor*innen und Interviewpartner*innen u.a. aus Argentinien, Australien, Deutschland, Großbritannien, Kroatien, Mexiko, den Niederlanden, Nigeria, Österreich, Schweden, der Schweiz, Taiwan und den USA.

Inter*-Pride ist die Antwort des Herausgabe-Kollektivs auf die BeschÀmung, Normierung und Gewalt, die intergeschlechtliche Menschen tagtÀglich auf der ganzen Welt erfahren.

Die unsichtbaren Dörfer

Idyllisch eingebettet in die Alpen liegt zwischen den schweizerischen Kantonen Tessin und Wallis das italienische Ossolatal. 1944 vertreiben die Partisanen hier nach harten KĂ€mpfen vorĂŒbergehend die deutsche Wehrmacht und ihre faschistischen Handlanger. Gino Vermicelli, damals selbst aktiver WiderstandskĂ€mpfer, schildert in seinem autobiographisch gefĂ€rbten Roman die entscheidenden Etappen dieses Krieges im Krieg.
AntiautoritĂ€r und antimilitaristisch geleiten Politkommissar Simon und Kommandant Emilio ihre Leute durch spannungsgeladene, hoffnungsvolle, aber auch tragische Monate, in denen die gesellschaftlichen und politischen Grundlagen fĂŒr das Nachkriegsitalien gelegt werden. Die Dialoge der beiden Protagonisten – der eine Kommunist, der andere Katholik – tragen das Buch. Bar jeder Soldatenromantik philosophieren sie ĂŒber Sinn und Unsinn ihres Tuns, ĂŒber das Wesen des Menschen sowie ĂŒber ihre TrĂ€ume und Hoffnungen fĂŒr die Zukunft.
50 Jahre nach Kriegsende verfasst, hebt Die unsichtbaren Dörfer Aspekte wie die Rolle der Frauen im Widerstand, den Umgang mit SexualitĂ€t und die ĂŒbersteigerten Erwartungen an die Zeit nach dem Faschismus schĂ€rfer hervor, als dies ein zeitgenössischer Bericht vermocht hĂ€tte. Dies macht den Roman ebenso historisch wie aktuell.

PrivatstĂ€dte Labore fĂŒr einen neuen Manchesterkapitalismus

TotalitĂ€r-kapitalistische Ideologien und Netzwerke haben sich eines der Ă€rmsten und autoritĂ€rsten LĂ€nder Lateinamerikas ausgesucht, um dort ihre Version einer â€șBrave New Worldâ€č zu realisieren: Honduras. Hier sollen PrivatstĂ€dte entstehen, in denen Unternehmen mit eigener Gesetzgebung, eigenen Gerichten und privaten Sicherheitsorganen herrschen. Ginge es nach Unternehmern wie Titus Gebel, soll aber nicht nur in Honduras Demokratie »durch den Geldbeutel ersetzt« werden. Eigenen Worten zufolge möchte er noch zu seinen Lebzeiten solche PrivatstĂ€dte auch in Deutschland sehen. Bereits 2009 wurden unmittelbar nach dem Putsch in Honduras die Weichen fĂŒr die Übertragung lokaler Staatsgewalt an Privatunternehmen gestellt, um das Land zu einem Experimentierfeld – vor allem auch deutscher – Investor*innen zu machen. In Honduras sind zurzeit bereits drei solcher InvestorenstĂ€dte vereinbart, mindestens drei weitere sind in Planung. Als ausgewiesene Sonderwirtschaftszonen, denen weitgehende Autonomie in Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verwaltung zugesprochen wird, hebeln diese PrivatstĂ€dte nicht nur die SouverĂ€nitĂ€t des Staates aus, sondern enteignen auch die lokale Bevölkerung und stellen sie vor die Wahl, sich ihren neuen Herren zu unterwerfen und fĂŒr sie zu arbeiten oder ihre angestammte Heimat zu verlassen.

Das Buch wirft einen detailscharfen Blick auf diese manchesterkapitalistischen Netzwerke in Europa und den USA, berichtet aber ebenso auch von den massiven Protesten in immer mehr honduranischen Gemeinden, die sich gegen ihre Enteignung und Vertreibung wehren.

Das Klima der Geschichte im planetarischen Zeitalter

Vom Globus zum Planeten! Der indische Historiker Dipesh Chakrabarty zĂ€hlt zu den international einflussreichsten Wissenschaftlern, die sich in den letzten Jahren mit der Bedeutung des Klimawandels auseinandergesetzt haben. Der Klimawandel, so argumentiert er, stellt unsere althergebrachten Vorstellungen von Geschichte, Moderne und Globalisierung grundlegend in Frage. Die Aufgabe besteht daher darin, diese Konzepte auf den PrĂŒfstand zu stellen und ĂŒberhaupt die Geistes- und Sozialwissenschaften mit neuen Ideen und Begriffen zu versorgen, damit sie den Herausforderungen des AnthropozĂ€ns gewachsen sind.

In seinem Buch taucht Chakrabarty tief ein in Geschichte und Philosophie und stellt kĂŒhne Überlegungen darĂŒber an, wie das menschliche Denken und Leben zukĂŒnftig zu gestalten ist. Insbesondere erklĂ€rt er, dass wir zu einem besseren VerstĂ€ndnis sowohl unserer Herkunft als auch unserer Zukunft nur dann gelangen, wenn wir in der Lage sind, uns selbst aus zwei Perspektiven gleichzeitig zu betrachten: einer globalen und einer planetarischen, wobei letztere den Menschen absichtlich dezentriert. Erst auf diese Weise wird es möglich, in geologischen ZeitrĂ€umen zu denken sowie ein angemessenes Bild von der menschlichen HandlungsfĂ€higkeit zu gewinnen. Angesichts der drohenden Naturkatastrophen ist es dafĂŒr höchste Zeit.

Class Power! Über Produktion und Aufstand

Seit 2014 lebt, arbeitet, organisiert und kĂ€mpft das kleine Kollektiv AngryWorkers in Greenford, London – einem wichtigen Knotenpunkt in der aktuellen Ökonomie der Großstadt. Von hier aus versorgen die zumeist prekĂ€r beschĂ€ftigten Arbeiter*innen der Fabriken und Logistikzentren des Stadtteils einen großen Teil der Metropole mit Lebensmitteln und anderen Waren.

Genau hier haben sich die AngryWorkers in Zeitarbeit und schlecht bezahlte Jobs begeben, in Logistik- und Warenlager, Fabriken fĂŒr Fertigessen und 3D-Drucker, aber auch in Gewerkschaften und Freundschaften. Sie haben eine Zeitung herausgegeben, den ein oder anderen Streik angezettelt und ein SolidaritĂ€tsnetzwerk aufgebaut, das bei Ärger mit Bossen oder Vermieter*innen direkte Hilfe leistet. Und am Feierabend haben sie dann ihre Erfahrungen mit dieser revolutionĂ€ren Organisierung niedergeschrieben.

Class Power! enthĂ€lt dichte Schilderungen der Lebens- und Arbeitsbedingungen vor Ort und erzĂ€hlt von den Versuchen politischer Organisierung. DarĂŒber hinaus besticht es durch die kluge und scharfe Auseinandersetzung mit politischen und ökonomischen HintergrĂŒnden und aktuellen Themen wie migrantisierter Arbeit, Automatisierung oder Reproduktionsarbeit.

Das Buch ist alles andere als eine â€șakademischeâ€č Arbeiteruntersuchung. Basierend auf mehreren Jahren direkter Erfahrung und Intervention haben die Autor*innen aus ihren Erlebnissen, Beobachtungen und Schlussfolgerungen VorschlĂ€ge fĂŒr eine neue, revolutionĂ€re Klassenpolitik entwickelt, die auf Zusammenarbeit und KreativitĂ€t im Alltag setzt.

FĂŒr all jene, die auf der Suche nach neuen Wegen in eine befreite Gesellschaft sind, ist die LektĂŒre ein Gewinn.

Neu Anfang Mai und Linke Buchtage

Ein normales Leben, Paleokostas

«Ein normales Leben» ist die Autobiografie von Vassilis Paleokostas, in der Öffentlichkeit als «griechischer Robin Hood» bekannt, bei der Polizei als «der Unfangbare». Er lebt im Untergrund, trotzt der Polizei und dem Staat und fĂŒhrt seit Jahrzehnten ein Leben auf der Flucht. Paleokostas ist in Griechenland eine Art moderner Volksheld, der bei BankĂŒberfĂ€llen und EntfĂŒhrungen von Firmenchefs Millionen erbeutete, um das Geld an jene zu verteilen, die es am dringendsten benötigten. Am bekanntesten ist er jedoch fĂŒr seine beiden GefĂ€ngnisausbrĂŒche 2006 und 2009 aus dem Hochsicherheitstrakt des Athener Korydallos-GefĂ€ngnis mit einem Hubschrauber.

«Ein normales Leben» ist ein packender Bericht ĂŒber das Leben auf der Flucht und im GefĂ€ngnis, ĂŒber Verfolgungsjagden, waghalsige Eskapaden und die Komplizenschaft der Banditen.

Vassilis Paleokostas wird von den Behörden gehasst, er gilt als Terrorist, seine Freiheit ist eine stĂ€ndige Beleidigung fĂŒr den griechischen Staat – und seine Autobiografie avancierte zu einem Bestseller.

Hau ab, Mensch! Tarrio

«Das Buch, das du in den HĂ€nden hĂ€ltst, ist [...] die Geschichte einer Gruppe libertĂ€rer Gefangener der Gesellschaft, die wir uns auf diffuse Weise in der Folge bestehender Freundschaften zu organisieren versuchten, um mit allen uns zur VerfĂŒgung stehenden Mitteln gegen ein irrsinniges System zu kĂ€mpfen, das dazu gemacht ist, jeden Menschen zu entpersönlichen und zu zerstören.“ [...] „Wir, XosĂ©, Patxi, Paco und so viele andere, mussten lernen, in diesen fĂŒrchterlichen „Sonderabteilungen“ zu ĂŒberleben, wo wir vom Rest der inhaftierten Bevölkerung getrennt gehalten wurden. Wir lernten, dass Rebellion oder Tod die Alternative war, die uns blieb. Und wir rebellierten.»

Gabriel Pombo da Silva, aus der Einleitung zum Buch

 

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